Kommune I: burn, warehouse, burn!
24.
Mai 1967
NEU ! UNKONVENTIONELL
!
Warum brennst du, Konsument
?
NEU ! ATEMBERAUBEND !
Die Leistungsfähigkeit
der amerikanischen Industrie wird bekanntlich nur noch vom Einfallsreichtum
der amerikanischen Werbung übertroffen: Coca Cola und Hiroshima, das
deutsche Wirtschaftswunder und der vietnamesische Krieg, die Freie Universität
und die Universität von Teheran sind die faszinierenden und erregenden
Leistungen und weltweit bekannten Gütezeichen amerikanischen Tatendranges
und amerikanischen Erfindergeistes; weben diesseits und jenseits von Mauer,
Stacheldraht und Vorhang für freedom und democracy.
Mit einem neuen gag in der
vielseitigen Geschichte amerikanischer Werbemethoden wurde jetzt in Brüssel
eine amerikanische Woche eröffnet: ein ungewöhnliches Schauspiel
bot sich am Montag den Einwohnern der belgischen Metropole:
Ein brennendes Kaufhaus mit
brennenden Menschen vermittelte zum erstenmal in einer europäischen
Grossstadt jenes knisternde Vietnamgefühl (dabeizusein und mitzubrennen),
das wir in Berlin bislang noch missen müssen.
Skeptiker mögen davor
warnen, 'König Kunde', den Konsumenten, den in unserer Gesellschaft
so eindeutig Bevorzugten und Umworbenen, einfach zu verbrennen.
So sehr wir den Schmerz der
Hinterbliebenen in Brüssel mitempfinden: wir, die wir dem Neuen aufgeschlossen
sind, können, solange das rechte Mass nicht überschritten wird,dem
kühnen und Unkonventionellen, das, bei aller menschlichen Tragik im
Brüsseler Kaufhausbrand steckt, unsere Bewunderung nicht versagen.
Auch der Umstand, dass man
dieses Feuerwerk Anti-Vietnam-Demonstarnten andichten will, vermag uns
nichtbirrezuführen. Wir kennen diese weltfremden jungen Leute, die
immer die (Plakate) von gestern tragen, und wir wissen, dass sie trotz
aller abstrakten Bücherweisheit und romantischer Träumereien
noch immer an unserer dynamischxx-amerikanischen Wirklichkeit vorbeigegangen
sind.
Kommune I (24.5.1967)
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Wann brennen die Berliner
Kaufhäuser?
Bisher krepierten die Amis
in Vietnam für Berlin. Uns gefiel es nicht, dass diese armen Schweine
ihr Cocacolablut im vietnamesischen Dschungel verspritzen mussten. Deshalb
trottelten wir anfangs mit schildern durch leere Straßen, warfen
ab und zu Eier ans Amerikahaus und zuletzt hätten wir gern HHH in
Pudding sterben sehen. Den Schah pissen wir vielleicht an, wenn wir das
Hilton stürmen, erfährt er auch einmal, wie wohltuend eine Kastration
ist, falls überhaupt noch was dranhängt...es gibt da so böse
Gerüchte.
Ob leere Fassaden beworfen,
Repräsentanten lächerlich gemacht wurden, die Bevölkerung
konnte immer nur Stellung nehemn durch die spannenden Presseberichte. Unsere
Belgischen Freunde haben es endlich den Dreh heraus, die Bevölkerung
am lustigen Treiben in Vietnam wirklich zu beteiligen: sie zünden
ein Kaufhaus an, dreihundert saturierte Bürger beenden ihr aufregendes
Leben und Brüssel wird Hanoi. Keiner von uns braucht mehr Tränen
über das arme vietnamesische Volk beim der Frühstückszeitung
zu vergiessen. Ab heute geht sie in die Konfektionsabteilung von KaDeWe,
Hertie, Woolworth, Bilka oder Neckermann und zündet sich diskret eine
Zigarette in der Ankleidkabine an. Dabei ist nicht unbedingt erforderlich,
dass das betreffende Kaufhaus eine Werbekampagne für amerikanische
Produkte gestartet hat, denn wer glaubt noch an das `made in Germany´?
Wenn es irgendwo brennt in
der nächsten Zeit, wenn irgendwo eine Kaserne in die Luft geht, wenn
irgendwo in einem Stadion die Tribüne einstürzt, seid bitte nicht
überrascht. Genausowenig wie beim überschreiten der Demarkationslinie
durch die Amis, der Bombardierung des Stadtzentrums von Hanoi, dem Einmarsch
der Marines nach China
Brüssel hat uns die
einzige Antwort darauf gegeben:
Burn warehouse, burn !
Kommune I (24.5.67)
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