Anschlag auf Alfred Herrhauen
Erklärung
der RAF vom 2. Dezember 1989
"Die revolutionären
Prozesse sind die Erfahrungen, die aus der Agonie zwischen Leben und Tod
heraus, hin zu einem entschlossenen Kampf für das Leben geführt
werden."
Am 30.11.1989 haben wir mit
dem Kommando Wolfgang Heer den Chef der Deutschen Hank, Alfred Herrhausen,
hingerichtet, mit einer selbstgebauten Hohlladungsmine haben wir seinen
gepanzerten Mercedes gesprengt.
Durch die Geschichte der
Deutschen Bank zieht sich die Blutspur zweier Weltkriege und millionenfacher
Ausbeutung, und in dieser Kontinuität regierte Herrhausen an der Spitze
dieses Machtzentrums der deutschen Wirtschaft; er war der mächtigste
Wirtschaftsführer in Europa.
Deutsche Bank, das ist quer
durch Westeuropa und in weiten Teilen der Welt zum Symbol für die
Macht und Herrschaft geworden, die überall frontal mit den fundamentalen
Interessen der Menschen nach einem Leben in Würde und Selbstbestimmung
zusammenstößt. Unter Herrhausens Regie hat sich die Deutsche
Bank zur europaweit größten Bank aufgeschwungen und dominiert
die wirtschaftliche und politische Entwicklung. Sie hat ihr Netz über
ganz Westeuropa geworfen und steht an der Spitze der faschistischen Kapitalstruktur,
gegen die sich jeder Widerstand durchsetzen muß.
Seit Jahren bereitet sie
den Einbruch in die Länder Osteuropas vor, jetzt steht sie und andere
lauernd in den Startlöchern, um auch die Menschen dort wieder dem
Diktat und der Logik kapitalistischer Ausbeutung zu unterwerfen. Herrhausens
Pläne gegen die Länder im Trikont, die selbst in "linksintellektuellen"
Kreisen als humanitäre Fortschrittskonzepte gepriesen werden, sind
nichts anderes als der Versuch, die bestehenden Herrschafts- und Ausplünderungsverhältnisse
längerfristig zu sichern; sie verlängern und verschärfen
noch weiter die Leiden der Völker.
Es ist weltweit eine destruktive
Entwicklung, die der Imperialismus zur Sicherung seiner Profit- und Machtpositionen
produziert: Völkermord, Hunger, Erniedrigung, Existenzunsicherheit
und umfassende Zerstörung schafft eine im Kern einheitliche Situation,
die überall existentielle Dimension angenommen hat, nirgends können
die Menschen wirklich nach ihren eigenen Vorstellungen und Werten leben.
Aber die Akteure dieses Systems müssen wissen, daß ihre Verbrechen
ihnen erbitterte Feinde geschaffen haben, daß es für sie keinen
Platz geben wird in der Welt, an dem sie vor den Angriffen revolutionärer
Guerillaeinheiten sicher sein können.
Wir alle, die gesamte revolutionäre
Bewegung in Westeuropa, stehen vor einem neuen Abschnitt. Die völlig
veränderte internationale Situation und die ganzen neuen Entwicklungen
hier erfordern, daß der gesamte revolutionäre Prozeß neu
bestimmt und auf neuer Grundlage weiterentwickelt werden muß. Daran
arbeiten wir, und daran wollen wir die Diskussion mit allen, die Schluß
machen wollen mit der imperialistischen Zerstörung und die für
eine grundsätzlich andere, an den Menschen orientierte gesellschaftliche
Realität kämpfen, und die diese Auseinandersetzung mit uns wollen.
Neuer Abschnitt, das heißt
für hier vor allem auch die Neuzusammensetzung der revolutionären
Bewegung, was möglich ist, weil viele es wollen, und es gibt die ersten
Schritte dahin schon. Wir stellen uns das vor als einen Prozeß von
gemeinsamer Diskussion und Praxis, in dem offen über die verschiedenen
Erfahrungen, Vorstellungen und Kritiken geredet wird, um die gesamte Entwicklung
zusammen zu begreifen und um zu politischen Bestimmungen und konkreten
greifbaren Vorstellungen für den Umwälzungsprozeß zu kommen.
In der Diskussion darüber müssen die Gefangenen Teil sein, dafür,
und weil das Vernichtungsprojekt gegen sie endlich gestoppt werden muß,
muß jetzt ihre Zusammenlegung und damit die Perspektive für
ihre Freiheit erkämpft werden. In dieser neuen Phase müssen wir
es schaffen, die vielfältige und unterschiedliche revolutionäre
Praxis in einer Orientierung gegen das System zu verbinden. Der revolutionäre
Prozeß braucht neue Dynamik und produktive Wechselbeziehungen, nur
zusammen können die Kämpfe die nötige Kraft entwickeln,
um destruktive Entwicklungen des Imperialismus zu stoppen und überhaupt
seine ganze zerstörerische Entwicklungsrichtung umzudrehen - nur zusammen,
also als eine Front gegen den Imperialismus, können wir hier in Westeuropa
gemeinsam mit den Befreiungskämpfen weltweit einen einheitlichen,
internationalen und langandauernden Umwälzungsprozeß durchsetzen.
Zusammen kämpfen!
Kommando Wolfgang Beer
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