Schüsse auf die US-Botschaft in Bonn
Erklärung
der RAF vom 13. Februar 1991
Solidarität mit den
Völkern im Nahen Osten gegen die imperialistische Vernichtung und
Unterwerfung!
Sofortiger Stopp mit
dem Völkermord am irakischen Volk!
Wir haben heute mit dem Kommando
Vincenzo Spano die Botschaft der USA in Bonn beschossen, weil die USA im
Vernichtungskrieg gegen das irakische Volk von Anfang an die Führungsrolle
übernommen haben. Mit unserer Aktion stellen wir uns in eine Reihe
mit all denen, die rund um den Globus gegen diesen US-NATO-Völkermord
aufgestanden sind. Internationale Solidarität ist die Zärtlichkeit
der Völker.
Für die imperialistischen
Staaten ist dieser Krieg der erste Schritt zur Durchsetzung ihrer neuen
Weltordnung für die Zeit nach dem Kalten Krieg. Das irakische Regime
hat jahrelang im Interesse des Imperialismus Kriege geführt; es hat
den Iran in Schach gehalten, und es hat in bestialischer Weise, selbst
unter Einsatz von Giftgas, einen Ausrottungsfeldzug gegen das kurdische
Volk geführt. In letzter Zeit ging es dem Irak zunehmend darum, die
eigene Machtposition in der Nah-Ost-Region auszubauen. Der Nahe Osten ist
für den Imperialismus eine politisch instabile Region. Einerseits
ist durch den Kampf der palästinensischen Befreiungsbewegung, den
langen Atem der Intifada, der Druck geschaffen, der die Frage nach einer
grundlegenden politischen Veränderung immer wieder auf die Tagesordnung
setzt. Zum anderen ist schon lange klar, daß die Herrschercliquen
in Saudi-Arabien, Ägypten, Jordanien usw. davon bedroht sind, von
ihren Völkern früher oder später weggefegt zu werden. Deshalb
soll in dieser Region, von deren Öl die westlichen Öl-Konzerne
und die westeuropäischen Industriestaaten abhängig sind, keine
Macht entstehen, die nicht unter absoluter Kontrolle des imperialistischen
Blocks steht.
Das sind die Gründe,
warum die imperialistischen Staaten heute diesen Krieg gegen den ehemaligen
Verbündeten führen. Der Imperialismus hat keine Moral. Die Saddam
Hussein/Hitler-Vergleiche sind der propagandistische Dreh, über den
die Herrschenden es schaffen wollen, die bei vielen Menschen nicht vorhandene
Zustimmung für diesen Krieg zu erreichen. Aber diesem System ist jeder
Hitler, Shamir, Özal, Pinochet, Cristiani und wie sie alle heißen,
ein Freund, solange er - egal mit welchen Mitteln - die Interessen des
internationalen Kapitals durchsetzt.
Für die USA ist dieser
Krieg der willkommene Anlaß, die Frage nach der Führungsrolle
innerhalb des westlichen Blocks wieder mehr an die militärische Stärke
zu knüpfen. Gleichzeitig wollen sie natürlich mit diesem Krieg
ihre abgehalfterte Wirtschaft sanieren. Am Golf spielt sich derzeit also
auch der Konkurrenzkampf der imperialistischen Kern-Staaten bzw. -Zentren
untereinander um künftige Macht und Einfluß in der Nahost-Region
und um die Vormachtstellung innerhalb des imperialistischen Lagers ab.
Die Bundesregierung ist sich
der Tatsache bewußt, daß Großdeutschland nicht allein
aus der ökonomischen Potenz des BRD-Kapitals zur neuen Weltmacht werden
kann. Das Vierte Reich braucht dafür die losgelassene Militärmaschine
genauso dringend, wie schon die Nazis sie gebraucht haben. Die Interessen
des deutschen Kapitals sollen nach 45 Jahren endlich wieder mit der ganzen
Brutalität der Kriegsmaschinerie durchgesetzt werden können.
Dafür laufen zur Zeit alle Vorbereitungen.
Der Bundeswehreinsatz in
der Türkei und ihre logistische Einbindung in diesen Krieg sind erste
praktische Schritte. Über das Vehikel des UNO-Einsatzes der Bundeswehr
- nachdem die UNO neben NATO, IWF und Weltbank zum Instrument imperialistischer
Kriegsführung gegen die unterdrückten Völker gemacht wurde
- will sich Großdeutschland endlich wieder freie Hand für die
militärische Unterwerfung und Ausplünderung der Völker schaffen.
Der Krieg im Nahen Osten
ist der "Krieg der Reichen gegen die Armen", wie die Genossinnen und Genossen
vom 17. November in Griechenland gesagt haben. Die imperialistischen Staaten
führen im Irak einen Krieg der verbrannten Erde. Was der Abwurf von
zigtausend Tonnen Bomben und die Flächenbombardements der amerikanischen
B52-Bomber an Tod und Leid über ein Volk bringen, das haben die Unterdrückten
dieser Welt seit Vietnam nicht vergessen. Israel und die Türkei nutzen
diesen Völkermord gegen das irakische Volk, um Krieg und Terror gegen
das palästinensische und das kurdische Volk zu verstärken. Das
türkische Regime - unterstützt von Bundeswehr und andern NATO-Truppen
- bombardiert kurdische Dörfer und hat im Grenzgebiet Tausende Menschen
umgebracht; Israel bombardiert wieder Palästinenser-Lager im Süd-Libanon
und terrorisiert die Bevölkerung in den besetzten Gebieten. Der zionistische
Staat will die Palästinenser endgültig aus den besetzten Gebieten
vertreiben und Teile Libanons und Jordaniens annektieren.
Solidarität mit der
palästinensischen Intifada und dem kurdischen Befreiungskampf! Die
große Mobilisierung gegen diesen Vernichtungskrieg hat die Herrschenden
in der BRD überrascht und erschreckt. Nach einem Jahr, in dem die
Bundesregierung sich und die Wiederherstellung Großdeutschlands und
den "Sieg des Systems der freien Marktwirtschaft" feiern ließ, sind
sie heute damit konfrontiert, daß viele Menschen ein Gespür
dafür behalten haben, daß ihre Interessen mit denen der Völker
im Nahen Osten zusammengehören und nicht mit denen der Herrschenden
auf dieser Welt.
Die Waffe der psychologischen
Kriegsführung, mit der von der Bundesregierung bis zur staatstragenden
Linken all die als Rassisten und Anti-Semitisten denunziert werden, die
gegen diesen Völkermord aufgestanden sind, muß stumpf gemacht
werden. Die Solidarität mit dem irakischen Volk gegen die imperialistische
Vernichtung ist Teil im Kampf von uns unten gegen die oben - da, wo aus
diesem Bewußtsein gekämpft wird, laufen solche Denunziationen
ins Leere. Der antiimperialistische Kampf gegen diesen Völkermord
gehört direkt mit den Aneignungsprozessen in jedem einzelnen Land
zur Durchsetzung konkreter Lebensinteressen der Menschen bzw. zur Verhinderung
imperialistischer Zerstörungsprojekte zusammen - beides zusammen ist
ein Prozeß, in dem die Unterdrückten in konkreten Schritten
Gegenmacht aufbauen und die imperialistische Macht weltweit zurückdrängen.
Denen, die in den letzten
Wochen gegen diesen Krieg - für den Frieden auf die Straße gegangen
sind, wollen wir sagen: Ihr müßt euch damit auseinandersetzen,
daß imperialistischer Krieg in der Logik des imperialistischen Systems
liegt. Dieses System produziert in den "reichen" Ländern für
die Menschen Vereinzelung und Konkurrenzdruck, jeder gegen jeden; jeder
menschliche Lebenssinn soll zerstört werden, statt dessen sollen viele
ihre Identität darin suchen, Objekt im Konsumterror zu sein. Der Imperialismus
wird immer dann Kriege führen, wenn irgendwo auf der Welt seine Macht
in Gefahr ist; er wird nicht aufhören, seine Bestimmung über
die Lebensinteressen der Völker zu stülpen - mit Gewalt, mit
Geld, mit Lügen, eben mit der ganzen Palette seiner Herrschaftsmittel.
Ein selbstbestimmtes Leben für alle in Würde, ohne Ausbeutung
und Unterdrückung, wird es erst dann geben, wenn wir die Macht des
imperialistischen Systems gebrochen haben.
Ein Schritt dahin ist das
Zusammenwirken der verschiedensten Initiativen gegen diesen Völkermord:
den Angriffen von revolutionären Gruppen überall auf der Welt
gegen die politische und militärische Macht von USA und NATO; den
Blockaden gegen die Kriegskonzerne, gegen die Börsen, gegen NATO-Militärstützpunkte
und in allen Initiativen, Demos, Mahnwachen, Kriegsdienstverweigerungen,
Sabotage-Akionen, in denen für die Leute die Auseinandersetzung darum
anfängt, sich ein eigenes, von den Herrschenden unabhängiges
Bewußtsein darüber zu erobern, was richtig und notwendig ist.
An die Leute, die seit Beginn
des Golfkriegs die Mahnwache vor der US-Botschaft machen: Wahrscheinlich
habt ihr einen ziemlich großen Schreck gekriegt. Wir haben unsere
Munition mit Leuchtspur-Munition gemischt, damit ihr gleich seht, wo genau
sich die Schießerei abspielt, und niemand von euch vor Schreck in
die falsche Richtung läuft. Falls ihr hinterher die ganze Wut der
Bullen und Yankees dort abgekriegt habt, was wir uns gut vorstellen können,
dann tut uns das leid. Sicher werden jetzt die Medien verkünden, wir
hätten euch fast erschossen. Das ist Quatsch, wir wußten die
ganze Zeit genau, wo ihr euer Camp hattet, und wir haben auch, bevor wir
angefangen haben die US-Botschaft zu beschießen, den Weg unten am
Rhein kontrolliert.
Krieg dem imperialistischen
Krieg! US-NATO raus aus dem Nahen Osten! Sabotieren, desertieren, angreifen
Solidarität mit dem Hungerstreik unserer gefangenen Genossinnen und
Genossen von Action Directe und Grapo/PCE(r) - Zusammenlegung aller politischen
Gefangenen in Westeuropa
Solidarität mit dem
Kampf der politischen Gefangenen in den Vernichtungstrakten der USA
Verhindert die Hinrichtung
von Mumia Abu-Jamal
Kommando Vincenzo Spano
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