Besetzung der Deutschen Botschaft in Stockholm
Erklärung
der RAF vom 24. April 1975
An die Regierungen der Bundesrepublik
Deutschland und des Königreichs Schweden
Am 24.4.1975 um 1.50 Uhr
haben wir die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Stockholm besetzt
und 12 Botschaftsangehörige, darunter Botschafter Dieter Stoecker,
Militärattaché Andreas von Mirbach, Wirtschaftsreferent Heinz
Hillegaart und Kulturreferent Anno Eifgen, gefangengenommen, um 26 politische
Gefangene in der Bundesrepublik Deutschland zu befreien. Es sind: Gudrun
Ensslin, Stuttgart; Andreas Baader, Stuttgart; Ulrike Meinhof, Stuttgart;
Jan Raspe, Stuttgart; Carmen Roll, Stuttgart; Werner Hoppe, Hamburg; Helmut
Pohl, Hamburg; Wolfgang Beer, Hamburg; Eberhard Becker, Hamburg; Manfred
Grashof, Zweibrücken; Klaus Jünschke, Zweibrücken; Wolfgang
Quante, Bremen; Ronald Augustin, Bückeburg; Ali Jansen, Berlin; Brigitte
Mohnhaupt, Berlin; Bernhard Braun, Berlin; Ingrid Schubert, Berlin; Annerose
Reiche, Berlin; Ilse Stachowiak, Hamburg; Irmgard Möller, Hamburg;
Sigurd Debus, Hamburg; Christa Eckes, Hamburg; Wolfgang Stahl, Hamburg;
Margit Schiller, Lübeck; Monika Berberich, Berlin; Johannes Weinrich,
Karlsruhe.
Innerhalb von 6 Stunden,
bis 21 Uhr, werden die gefangenen Genossen auf dem Rhein-Main-Flughafen
Frankfurt zusammengebracht. Sie können dort ohne Kontrolle miteinander
und mit ihren Anwälten sprechen. Sie haben die Möglichkeit, sich
über Funk und Fernsehen über den Ablauf zu informieren. Wird
eine Verbindung zwischen uns und den Gefangenen über Telefon, später
über Funk hergestellt. Sie wird bis zu ihrer Landung in dem Land,
das sie aufnimmt, aufrechterhalten. Wird eine Boeing 707 der Lufthansa,
aufgetankt, mit 3 Mann Besatzung, auf dem Rhein-Main-Flughafen bereitgehalten.
Innerhalb von 10 Stunden bis 1 Uhr werden die Gefangenen aus der BRD ausgeflogen,
sie werden nur vom Botschafter des Königreichs Schweden in der BRD
Backlund und einem ihrer Anwälte begleitet. Das Ziel werden wir ihnen
während des Flugs mitteilen. Überläßt die Bundesregierung
jedem der Gefangenen 20000 Dollar.
Diese Erklärung von
uns, Erklärungen von den Gefangenen oder ihren Anwälten werden
sofort an die internationalen Nachrichtenagenturen weitergegeben und in
der BRD über Rundfunk und Fernsehen ungekürzt verbreitet. Während
des ganzen Ablaufs der Aktion muß die Regierung ihre Entscheidungen
über die Massenmedien öffentlich machen. Der Abflug der Genossen
wird vom BRD-Fernsehen und vom schwedischen Fernsehen direkt übertragen.
Wir werden über unsere
Forderungen nicht verhandeln und die Fristen, zu denen sie zu erfüllen
sind, nicht verlängern. Versucht die Bundesrepublik die Freilassung
der Gefangenen zu verzögern, werden wir zu jeder vollen Stunde, die
das 1. und oder 2. Ultimatum überschritten wird, einen Beamten des
Auswärtigen Amtes der BRD erschießen. Der Versuch, die Botschaft
zu stürmen, bedeutet den Tod aller im Haus. Bei einem Angriff werden
wir in den Räumen der Botschaft 15 kg TNT zur Explosion bringen. Nach
ihrer Landung werden uns die befreiten Genossen über Funk bestätigen,
daß sie eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten haben. Wir werden dann
einen Teil der Botschaftsangehörigen freilassen und den Ablauf unseres
Abzuges bekanntgeben.
Wir werden Menschen sein
- Freiheit durch bewaffneten antiimperialistischen Kampf!
Die Verantwortung für
die Erschießung des Militärattachés Andreas von Mirbach
trägt die Polizei, trotz verlängertem Ultimatum hat sie das Botschaftsgebäude
nicht verlassen!
Kommando Holger Meins
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