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Till Meyer - Ein biographisches Porträt von Tobias Wunschik
Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim BStU, BerlinLebenslauf | Würdigung | Literatur | Anmerkungen
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Zu den "Prominenten" unter den bundesdeutschen Linksterroristen zählt Till Eberhard Meyer. Der Angehörige der "Bewegung 2. Juni" war maßgebend dafür verantwortlich, daß im Jahre 1975 der Berliner CDU-Vorsitzende Peter Lorenz entführt wurde. Drei Jahre später machte Meyer erneut von sich reden, als Gesinnungsgenossen ihn mit einem spektakulären Coup aus der Haftanstalt Moabit befreiten. In Bulgarien wurde er schon einen Monat später festgenommen und an die Bundesrepublik überstellt. Da er sich vom "bewaffneten Kampf" distanzierte, kam er 1986 vorzeitig frei und konnte bei der links-alternativen Tageszeitung ("taz") volontieren. Zuletzt geriet er im Jahre 1992 in die Schlagzeilen, als sein "Doppelleben" als Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR aufgedeckt wurde.
Geboren wurde Till Eberhard Meyer am 31. März 1944 in Luckenwalde bei Berlin. Dorthin waren seine Mutter und seine fünf Geschwister wegen der allierten Bombenangriffe auf die Reichshauptstadt evakuiert worden. Sein Vater, ein Angestellter beim Rundfunk, wurde ein halbes Jahr nach Meyers Geburt zur Wehrmacht eingezogen und starb im Dezember 1944 an der "Westfront". Die ersten Jahre seines Lebens verbrachte Meyer unter teilweise ärmlichen Bedingungen im zerstörten Berlin. Als Schulkind "haßte" er den "Zwang des verordneten Lernens, das Still-sitzen-Müssen". Wenn er den Unterricht schwänzte - was häufig vorkam -, setzte es durch die "lockere Hand" der Mutter Hiebe. Bereicherte er sich wieder einmal an den Sparbüchsen seiner Geschwister, galt er diesen als "Satan" - was im nachinein sogar er selbst für zutreffend hält. (1) Zusammen mit einigen Gleichaltrigen bildete er eine Straßenbande, die sich "Kloppereien mit anderen herumstreunenden Kindertrupps" lieferte. Schon hier, so glaubt Till Meyer, lernte er ein typisches Verhaltensmuster: sich "zu behaupten und durchzusetzen". "Nie feige" und "immer vorneweg" ließ er sich "von niemanden etwas gefallen". Dies trug ihm auch die Anerkennung seiner Kameraden ein: "Die Freunde mochten mich, weil [...] auch in brenzligen Situationen auf mich Verlaß war." (2)
Nach dem Abschluß der Schule im Jahre 1959 heuerte er, von jugendlicher Abenteuerlust getrieben, in Hamburg auf einem Frachtschiff an. Der fünfzehnjährige Lehrling sah sich jedoch an Bord zu schwerster "Knochenarbeit" gezwungen und den Schlägen des Kapitäns ausgesetzt, so daß er nach fünf Monaten vorzeitig von Bord ging. "Die erste Begegnung mit der Arbeitswelt war für mich mehr als ernüchternd." (3) Wieder in Berlin, fand er erneut Anschluß an seine alte Clique. Die pubertierenden Jugendlichen nutzten gemeinsam jede Chance zur Auflehnung gegen die Welt der Erwachsenen. "Wir waren laut, aggressiv und fühlten uns wie 'King Elvis' persönlich." Mit der Polizei in Konflikt zu geraten (wegen Ruhestörung oder "Frisieren" seines Mopeds), nahm er bereitwillig in Kauf. Meyer und seine "halbstarken" Freunde übten sich in Wichtigtuerei; er selbst prahlte besonders gerne mit seinen (vorgeblichen) Erfolgen bei "den Mädchen". (4)
Wegen "fortgesetzten Verstoßes gegen die Schulpflicht" erhielt der siebzehnjährige Till Meyer im Jahre 1961 drei Wochen Dauerarrest im örtlichen Gefängnis. Nach dieser schmerzhaften Erfahrung machte er sich auf den Weg nach Paris, blieb aber in Trier hängen, weil er sich dort Hals über Kopf in ein zwei Jahre jüngeres Mädchen verliebte. Im Mai 1964 heiratete das junge Paar in der Erwartung von Nachwuchs. Um Arbeit bemüht, fand er Anstellung in einem Stützpunkt der amerikanischen Luftwaffe in Bitburg. Dort mußte er sich zwar in einen halbmilitärischen Verband einordnen - was ihm schwer fiel -, durfte als Hilfspolizist aber erstmals eine Waffe tragen (in diesem Falle eine Armeepistole). Wegen seiner mangelnden Disziplin wurde er indes bald wieder entlassen. (5) Meyer verdingte sich dann als Aushilfsfahrer für Coca-Cola, Verkäufer von BMW-Fahrzeugen und organisierte schließlich, zusammen mit seiner Ehefrau, einen mobilen Imbiß für französische Soldaten im Raum Trier.
Schon im Dezember 1964 sprach ihn, nach seiner Darstellung, ein örtlicher Vertreter des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) an und weckte sein Interesse für die Bewegung der Ostermarschierer. Die Außerparlamentarische Opposition (APO), (6) die sich 1967 hauptsächlich in Berlin zu formieren begann, verfolgte er "erst skeptisch, dann mit wachsendem Interesse". An einem Treffen der örtlichen Protestbewegung in Trier (im Vorfeld des Ostermarsches von 1967) nahm er schon teil. Er war "fasziniert von der Entschiedenheit und der Radikalität der Leute in ihrer Ablehnung der etablierten Politik". Besonders angetan hatten es ihm die Lektürezirkel für die Schriften von Marx und Engels. "Ich war begeistert. Von Anfang an spürte ich: Das ist eine vorwärtstreibende Idee und Ideologie, eine Wissenschaft, die alles erklärt, eine konkrete Utopie." Er befaßte sich außerdem mit den Thesen von Wilhelm Reich, Georg Lukács, Theodor Adorno und Herbert Marcuse. In den Diskussionen mit Gleichgesinnten "fand ich die Erklärung dafür, warum es mir so dreckig ging. Ich begriff die Ursachen meiner Chancenlosigkeit und daß ich nie aus der Knochenmühle herauskommen würde. [...] Ich hatte das Prinzip von Lohnarbeit und Kapital, von Ausbeutung und Unterdrückung begriffen und sofort auf meine eigene Situation bezogen. Zu Recht" (7)- wie er meinte.
"Wir wähnten uns in dem Glauben, nur die Vorhut einer großen und allumfassenden gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Umwälzung zu sein." (8) Weil er als "Berufsrevolutionär" in Trier keine Perspektive für sich sah, wechselte er 1969 zusammen mit Frau und Kind nach Berlin. "Hier lag Rebellion in der Luft, und alle begegneten sich offen und solidarisch." (9) Schon am ersten Abend in der "brodelnden" Stadt lauschte er einem Vortrag von Ulrike Meinhof im "Republikanischen Club", einer Hochburg der Berliner APO. Doch trotz seiner Mitgliedschaft in der DKP stand sein politischer Standort noch nicht genau fest - lange Zeit bewegte er sich in rätekommunistischen Zirkeln, liebäugelte jedoch auch mit trotzkistischen Gruppen und der maoistischen KPD/ML. (10) Seine Sympathien für das sozialistische Lager erfuhren einen argen Dämpfer, als ihm 1969 auf dem Weg zu einem sozialistischen Jugendfestival an der Sektorengrenze die Einreise in die DDR verweigert wurde. Meyer gab später an, er sei wegen seiner langen Haare von den ostdeutschen Grenzern barsch zurückgewiesen worden. (11) In Wirklichkeit war es jedoch zu einem ersten Kontakt mit dem DDR-Staatssicherheitsdienst gekommen: Den Grenzern, Mitarbeiter der MfS-Hauptabteilung "Paßkontrolle und Fahndung", war ein Mao-Enblem an Meyers Revers ins Auge gefallen. Weil er, aus DDR-Sicht, auf den ersten Blick einen "fortschrittlichen Eindruck" machte, bat ihn die Hauptverwaltung Aufklärung (HV A) zu einem Gespräch. Dabei verhehlte Meyer jedoch nicht seine Sympathien für die chinesischen Kommunisten und behauptete darüber hinaus, der Verfassungsschutz habe schon einmal seine Wohnung durchsucht. Weil Meyers politische Präferenzen ausgerechnet dem Erzfeind innerhalb des sozialistischen Lagers galten und er bereits im Visier westlicher Geheimdienste zu stehen schien, nahm der Staatssicherheitsdienst "von einer weiteren Bearbeitung [..] Abstand". (12)
Andreas Baader, der wegen Beteiligung an der sogenannten Kaufhausbrandstiftung hinter Gittern saß, wurde am 14. Mai 1970 von der "konkret"-Kolumnistin Ulrike Meinhof und anderen gewaltsam befreit. Damit war die Rote Armee Fraktion (RAF) de facto gegründet. Meyer kannte deren Mitglieder größtenteils persönlich. Als ihm die erste Grundsatzerklärung der Baader-Meinhof-Gruppe zugespielt wurde (verbunden mit der Aufforderung, für eine verdeckte Verbreitung der illegalen Schrift zu sorgen), war er vom "Konzept Stadtguerilla" überaus angetan. Er sah sich nun selbst gefordert. "Vor mir lag eine rundum schlüssige Schrift zur Begründung des bewaffneten Kampfes 'jetzt und hier'. Alles, was ich auf den sieben Seiten las, stimmte [...] mit meiner Analyse überein. [...] Von nun an gab es kein Halten mehr." (13)
Zusammen mit Michael "Bommi" Baumann (14) und anderen bemühte sich Till Eberhard Meyer aktiv um die Gründung einer "zweiten Guerilla-Gruppe". Später, im Februar 1972, gaben sie sich den Namen "Bewegung 2. Juni", um an den Studenten Benno Ohnesorg zu erinnern, der am 2. Juni 1967 durch Schüsse der Polizei tödlich verletzt worden war. (15) Sie stahlen Autos, brachen in Wohnungen ein und überfielen Banken, um sich eine illegale Logistik aufzubauen. Meyer glaubte, mit Hilfe von Gewalt seien die revolutionären Ziele der studentischen Revolte doch noch zu erreichen, nachdem der weitgehend friedliche Protest ins Leere gelaufen war. Auch der Krieg der USA in Vietnam, so dachte er, berechtige ihn zum Widerstand - gleich welchen Grades von Militanz er sich dabei bediene. (16) Als sein Komplize und Freund Georg von Rauch am 4. Dezember 1971 bei einer Schießerei mit der Polizei ums Leben kam, war Till Meyer zwar seelisch erschüttert. Doch anders als Baumann, der wegen dieses Erlebnisses alsbald "ausstieg", (17) sah Meyer sich nun noch mehr gefordert. "Weitermachen! Ja, in der Trauer über Georgs Tod wollte ich jetzt erst recht. Der ist als Rebell gestorben, du mußt es fortsetzen." (18) Weil er glaubte, nun selbst im Visier der polizeilichen Fahndung zu stehen, beschloß er "abzutauchen", d.h. eine Vielzahl von privaten Kontakten gänzlich abzubrechen und fortan in der Illegalität zu leben.
Um ihre "Solidarität" mit der irischen "Befreiungsarmee" IRA zu bekunden, legte die "Bewegung 2. Juni" am 2. Februar 1972 einen Sprengsatz auf die Veranda des Britischen Jachtklubs in Gatow. Der Anschlag kostete einem deutschen Bootsbauer das Leben, was angeblich nicht beabsichtigt gewesen war. (19) Meyer selbst wurde schon am 29. Februar 1972 festgenommen, als er in Bielefeld illegal Schußwaffen kaufen wollte, dabei jedoch in eine Polizeikontrolle geraten war. Anschließend erging Anklage wegen Mordversuchs, weil er bei seiner Flucht quer durch die Bielefelder Innenstadt auf einen Polizisten geschossen hatte. Vor Gericht verneinte er angesichts der drohenden Strafe jegliche Tötungsabsicht und behauptete, "infolge seiner politischen Einstellung sei er gegen die Anwendung von Gewalt". Seine Verteidigung übernahm Hans-Christian Ströbele, seinerzeit Angehöriger des Sozialistischen Anwaltskollektivs Berlin. Vom Hauptvorwurf wurde Meyer mangels eindeutiger Beweise zwar freigesprochen. Doch weil er bei seiner Flucht einen Passanten genötigt und illegal eine Waffe besessen hatte, wurde er zu drei Jahren Haft verurteilt, "um das begangene Unrecht zu sühnen und den Angeklagten in Zukunft vor der Begehung weiterer Straftaten abzuschrecken". (20)
Da er fürchtete, "Überläufer" aus der "Bewegung 2. Juni" könnten der Polizei verraten, daß er noch weitere (bislang ungesühnte) Straftaten auf dem Kerbholz hatte, floh er am 13. November 1973 aus der Haftanstalt Castrop-Rauxel. Nach den Stationen Paris und Nizza erreichte er Berlin, wo Ralf Reinders und Inge Viett auf ihn warteten. (21) Die beiden waren die einzigen verbliebenen Mitglieder der "Bewegung 2. Juni", und Meyer mußte sie erst um Wiederaufnahme in die Gruppe bitten, was ihn in seiner Ehre als "Berufsrevolutionär" außerordentlich kränkte. Meyer konnte Gabriele Rollnik, mit der seinerzeit liiert war, zum "Abtauchen" bewegen. (22) Gemeinsam planten sie Attentate auf die Chefkommentatoren des SFB und der Springer-Zeitung "B.Z.", Mathias Walden und Werner Sykorsky. "Wir wollten sie nicht töten, sondern ihnen sollte nach dem Vorbild der 'Roten Brigaden' ins Bein geschossen werden. Irgendwann aber sind wir von diesen Plänen wieder abgerückt." (23)
Seinerzeit wurde publik, daß Ulrich Schmücker, der "Bewegung 2. Juni" nahestehend, dem Landesamt für den Verfassungsschutz Berlin zugearbeitet hatte. Er wurde daraufhin von Mitgliedern oder Sympathisanten der Untergrundorganisation, die sich "verraten" fühlten, kaltblütig ermordet. (24) Meyer behauptet, er habe seinerzeit nicht für die Ermordung Schmückers plädiert und sei deswegen sogar in Konflikt mit seinen Gesinnungsgenossen geraten, (25) was aber im Gegensatz zu seiner sonst eher "harten" Haltung stehen würde. Unbeliebt machte sich Meyer, als er forderte, logistische Hilfstätigkeiten für die "Bewegung 2. Juni" (wie das Stehlen von Kfz-Kennzeichen) sollten künftig statt der "Illegalen" die Sympathisanten übernehmen, weil deren etwaige Verhaftung nicht so folgenreich wäre. Seine Kampfgefährten hielten den Vorschlag für "elitär und arrogant". Meyer wiederum bemängelte, daß die 150,- DM, die einem "Illegalen" seinerzeit wöchentlich zur persönlichen Verfügung standen, viel zu wenig seien - "wo ich doch so gerne essen ging und mich sportlich, aber modisch kleiden wollte." (26) Wegen der persönlichen und politischen Differenzen, zu denen Meyer ganz erheblich beitrug, war die "Bewegung 2. Juni" schon seinerzeit der Spaltung nahe. (27)
Bereits vor seiner Flucht aus dem Gefängnis hatte Meyer darüber nachgedacht, ob man nicht einen der "politischen Gegner" entführen und im Austausch die Freilassung von "politischen Gefangenen" fordern könnte. (28) Die darauffolgende "Aktion" ruhte jedoch nicht, wie er angibt, nur auf seiner Inititiative, sondern wurde von der gesamten "Bewegung 2. Juni" gemeinsam beschlossen. (29) Als Entführungsopfer wählte die Gruppe zunächst den Präsidenten des Berliner Kammergerichts, Günter von Drenkmann. Der Versuch, den obersten Richter in Berlin zu entführen, scheiterte jedoch an dessen Gegenwehr und endete mit seiner Ermordung. Als dann der Wahlkampf für das Abgeordnetenhaus begann, war "sehr schnell" klar, daß nun der Spitzenkandidat und Berliner Vorsitzende der CDU, Peter Lorenz, entführt werden sollte - was am 27. Februar auch geschah. Meyer übernahm die erste Acht-Stunden-Schicht in der sechs Tage andauernden Bewachung der Geisel. Die Empörung der Politiker über die Geiselnahme galten ihm nur als Beweis dafür, "daß wir ins Schwarze getroffen hatten und die Bedingungen [für die Freilassung von inhaftierten Gesinnungsgenossen] nach unseren Konditionen bestimmen konnten". (30) Tatsächlich gab die Bundesregierung, um Lorenz' Leben besorgt, das erste Mal den Forderungen von Terroristen nach. Fünf "politische Gefangene" - Verena Becker, Rolf Heißler, Gabriele Kröcher-Tiedemann, Rolf Pohle und Ingrid Siepmann - konnten, von Pfarrer Heinrich Albertz begleitet, in den linksrevolutionären Südjemen ausreisen. Die "Bewegung 2. Juni" ließ daraufhin, wie versprochen, Lorenz frei.
Meyer vermochte "Freude und Siegesgefühl" nicht lange auszukosten, (31) denn schon am 6. Juni 1975 wurde er in Berlin von der Polizei gestellt (und dabei angeschossen). "Aus, vorbei! Es dauerte diesmal lange, bis ich mich gefangen hatte und den Kampf gegen die Widrigkeiten der Haft aufnahm. [...] Für mich galten zwar eine Reihe von Sicherheitsauflagen, ansonsten war ich aber in den normalen Vollzugsalltag integriert, keine Isolation." (32) Seine Freistunden konnte er zusammen mit dem ehemaligen RAF-Angehörigen Horst Mahler verbringen. Dieser hatte sich jedoch, als die "Bewegung 2. Juni" ein halbes Jahr zuvor im Austausch für Lorenz auch seine Freilassung gefordert hatte, geweigert, darauf einzugehen (weil er den Untergrundkampf inzwischen ablehnte und mit der KPD/AO sympathisierte). Meyer trug ihm dies noch nach und blieb auf Distanz zu Mahler. (33) Nachdem Meyer erfolglos aus der Haftanstalt Tegel zu fliehen versuchte, wurde er nach Moabit verlegt, wo ein deutlich rauheres Regiment herrschte. Zusammen mit Ralf Reinders, Fritz Teufel, Ronald Fritzsch, Gerald Klöpper und Andreas Vogel, die als Mitglieder der "Bewegung 2. Juni" alle dort einsaßen, beteiligte er sich im März und April 1977 an einem Hungerstreik, den die RAF seinerzeit "gegen die Vernichtungshaft" initiierte. "Jeder Tag war eine grausige Qual." (34) Erst nach fünf Wochen kam aus Stuttgart-Stammheim, wo die Führungsequipe der RAF einsaß, das Signal zum Abbruch des Hungerstreiks. Als ein halbes Jahr später das Lufthansaflugzeug "Landshut" nach Mogadischu entführt wurde, (35) rechtfertigte Meyer dies, im Gegensatz zu seinen Gesinnungsgenossen, "als legitimes Mittel der Auseinandersetzung, vor allem weil sie [die Entführung] von Palästinensern durchgeführt wurde". (36) Er neigte jetzt weltanschaulich teilweise der RAF zu und brandmarkte zusammen mit Vogel den etwas gemäßigteren Standpunkt von Reinders, Teufel, Fritzsch und Klöpper.
Mit dieser harten Haltung standen Meyer und Vogel den im Untergrund lebenden Gruppenmitgliedern politisch am nächsten. Weil die "Illegalen" der "Bewegung 2. Juni" den beiden auch persönlich besonders verbunden waren, wählten sie diese für eine Befreiungsaktion aus. Unter einer Legende konnten am Morgen des 27. Mai 1978 zwei weibliche Angehörige der "Bewegung 2. Juni" in die Haftanstalt eindringen. Wie verabredet, hatten sich Meyer und Vogel just zu diesem Zeitpunkt in einem Sprechraum mit ihren Rechtsanwälten getroffen. "Plötzlich höre ich schnelle Schritte, zwei, drei Tritte, und schon fliegt die Tür auf. 'Komm!' Die Genossin in der Tür mit der blonden Perücke und im schnieken Trenchcoat, die Maschinenpistole in der Hand, ist mir gut bekannt. 'Hier!' Blitzschnell ergreife ich die hingehaltene Makarov-Pistole, drehe mich zum Anwalt um und kommandiere: 'Du gehst unter den Tisch!'" (37) Die an der Aktion unmittelbar beteiligte Viett hat den Vorgang dagegen so in Erinnerung, daß eine der Frauen die Tür zum Sprechzimmer aufriß - "und da sitzt er. Wie versteinert, regt sich nicht und sagt kein Wort. Sein Anwalt war unter den Tisch gekrochen. Sie wirft Till die Pistole zu, schreit ihn an: 'Bist Du festgewachsen? Komm gefälligst!" (38)
An der Gegenwehr eines Aufsehers scheiterte allerdings die Befreiung von Vogel. Die Mitglieder der "Bewegung 2. Juni" konnten sich nur mit Waffengewalt ihren Weg aus der Haftanstalt bahnen, wobei sie einen Aufseher durch gezielte Schüsse schwer verletzten. Meyer und seine Befreierinnen erreichten das bereitstehende Fluchtfahrzeug, doch ließ die Fahrerin in der Aufregung den Motor absterben. "Till wird frech und brüllt: 'Was habt ihr denn da für eine Anfängerin!'" Seine Kampfgefährtin, die ihm gerade erst die Zellentür geöffnet hat, war über Meyers Undankbarkeit sichtlich erbost und "fährt ihn an: 'Was fällt Dir ein, Typ?'" (39) Daß das Hauptinteresse der "Illegalen" bei der Befreiungsaktion mehr Vogel als ihm selbst gegolten hatte, (40) nahm Meyer gar nicht wahr. (41) Der zurückgebliebene Vogel wollte sich freilich seine Enttäuschung nicht anmerken lassen und erklärte öffentlich, "die Aktion war großartig". (42)
Wenige Minuten nach der Flucht konnten Meyer und seine Befreierinnen mit der S-Bahn nach Ost-Berlin entkommen. Inge Viett hatte die "Terrorabwehr"-Abteilung des MfS in vager Form schon im voraus davon unterrichtet, daß in Westberlin demnächst mit einer "Aktion" zu rechnen sei und sich "freies Geleit" zusichern lassen. (43) So konnten die Flüchtenden tatsächlich die Sektorengrenze überschreiten und mit dem Zug nach Prag weiterreisen, obwohl sie, weil Viett noch ihre Handfeuerwaffe mitführte, bei einer Kontrolle kurzzeitig angehalten wurden. (44) Im Zuge dieser Protektion ließ die DDR außerdem alle Bemühungen der westlichen Strafverfolgung, der im Westen steckbrieflich gesuchten Täter habhaft zu werden, ins Leere laufen. So hatte noch am gleichen Nachmittag die Staatsanwaltschaft beim Kammergericht Berlin das Innenministerium der DDR um Rechtshilfe ersucht. Unter dem Hinweis, die Geflüchteten könnten mit der S-Bahn in den Ostteil der Stadt gereist sein und via Schönefeld die DDR verlassen haben, bat die westliche Strafverfolgungsbehörde um Ergreifung der Täter. Auch der Staatsratsvorsitzende Erich Honecker und der für internationale Verbindungen zuständige ZK-Sekretär Hermann Axen wurden von der Angelegenheit in Kenntnis gesetzt. Aus dem offensiven Vorgehen der Westberliner Seite, so hieß es jedoch in einer Analyse des Ministeriums für Staatssicherheit, "läßt sich begründet ableiten, daß die Justiz- und Sicherheitsorgane der DDR ohne verbindliche Rechtsgrundlagen in die Verfolgung und Bekämpfung des Terrorismus in der BRD einbezogen werden sollen." Für den Fall, daß Meyer in der DDR aufgegriffen werde, stellte ein Vertreter des Generalstaatsanwalts der DDR zwar am 30. Mai 1978 dessen Auslieferung in Aussicht. (45) Doch der Gesuchte und seine Begleiterinnen waren zu diesen Zeitpunkt ja bereits mit dem Zug über Prag und Belgrad nach Bulgarien geflüchtet, wo sie frühzeitig ein Quartier angemietet hatten. Auf der Fahrt informierte Inge Viett das MfS dann noch über das genaue Ziel ihrer Reise. (46)
An der bulgarischen Schwarzmeerküste dachte Meyer schon intensiv über den nächsten Terrorakt nach. Doch bereits nach 29 Tagen in Freiheit wurden er und seine Freundin Gabriele Rollnik sowie Angelika Goder und Gudrun Stürmer von Beamten des Bundeskriminalamts (BKA) festgenommen. Den Polizisten erschienen die Betroffenen "mehr als überrascht" zu sein. (47) "Ein sozialistisches Land liefert uns dem BKA aus, das gibt es doch gar nicht!" (48) Till Meyer hielt es für eine "unverzeihliche Niedertracht", daß man ihn dort nicht als "Revolutionär" akzeptierte, sondern dem Bundeskriminalamt überließ. (49) Deshalb bat er den Ost-Berliner Rechtsanwalt Friedrich Karl Kaul, der früher Ulrike Meinhof verteidigt hatte, um Aufklärung der Hintergründe. (50) Doch Sofia, bemüht um internationale Reputation, kooperierte tatsächlich mit Bonn und gestattete dem BKA, den gerade spektakulär aus der Haft entwichenen Terroristen festzunehmen. Meyer behauptet, durch ein von bundesdeutschen Sicherheitsbehörden abgehörtes Telefonat mit Unterstützern der "Bewegung 2. Juni" das BKA auf sich gezogen zu haben. (51) In einem Fernschreiben des bulgarischen Innenministers an Erich Mielke hieß es dagegen, daß ein Bundesbürger, der seinerzeit privat an der bulgarischen Schwarzmeerküste weilte, den flüchtigen Terroristen erkannt habe (was der stets aus Bonner Kreisen verlauteten Version entspricht). "Um die Versuche terroristischer Gruppen, ihre Basis auf dem Territorium der VRB [Volksrepublik Bulgarien] zu organisieren und sie als terroristischen Staat zu kompromittieren, zu unterbinden und damit sich unsere Beziehungen zu einigen Ländern nicht verschlechtern, wurde in der entstandenen Situation unsererseits vier Polizeibeamten der BRD gestattet, in die VRB einzureisen und unter Kontrolle unserer Organe Till Meyer zu suchen und zu verhaften." Zuvor habe man ihm und seinen Begleiterinnen die Waffen "konspirativ abgenommen", (52) wohingegen Meyer der Meinung war, er habe seine Pistole, als er in einem Restaurant festgenommen wurde, nur aus Unbesonnenheit in der nahegelegenen Unterkunft vergessen. (53) Die nicht am Ort der Verhaftung Meyers weilenden Viett, Siepmann und Nicolai wurden dagegen verschont. Offensichtlich sah Sofia keine Veranlassung, nach der Auslieferung Meyers noch ein zweites Mal zu beweisen, daß Bulgarien den internationalen Terrorismus nicht unterstützte. Außerdem war die bulgarische Regierung ungehalten darüber, daß "trotz eines Ersuchens auf diplomatischem Wege und trotz der Zusicherung seitens der BRD, diesen Vorfall nicht öffentlich bekannt zu machen", (54) die Bundesregierung die genauen Umstände der Verhaftung durchsickern ließ und sich in ihrem Fahndungserfolg sonnte. Die bulgarischen Sicherheitsorgane brachten gegenüber Viett, Siepmann und Nicolai ihr Bedauern darüber zum Ausdruck, daß Bulgarien sich dem diplomatischen Druck Bonns nicht habe widersetzen können. Sie selbst, so wurde den drei Frauen versichert, hätten nichts zu befürchten und könnten sich im Lande frei bewegen. (55) Der ostdeutsche Staatssicherheitsdienst wiederum bedauerte, daß durch Meyers Festnahme dessen "Verhältnis zum realen Sozialismus insgesamt weniger hoffnungsvoll geworden" (56) sei. Und das MfS sorgte wenig später auch dafür, daß die am 27. Juni 1978 in Prag durch tschechische Sicherheitsorgane festgenommenen Viett, Siepmann und Nicolai "dem MfS übergeben [wurden]. In der Zeit vom 28. Juni bis 12. Juli 1978 waren sie in der DDR in einem konspirativen Objekt untergebracht und wurden anschließend unter operativer Kontrolle nach Bagdad/Irak ausgeflogen." (57)
Meyer wurde von der bulgarischen Schwarzmeerküste zurück nach Moabit gebracht und mußte dort "die Witzchen [seiner Gesinnungsgenossen] über unser Bulgarien-Desaster" und die Vorwürfe des zurückgebliebenen Andreas Vogel ertragen. (58) In seiner Empörung über den "Verrat" des sozialistischen Staates verkündete Meyer großspurig "die Verstärkung internationalistischer Aktionen", womit neue Terroranschläge gemeint waren. (59) Das Gerichtsverfahren gegen ihn sowie gegen Fritz Teufel, Andreas Vogel, Gerald Klöpper und Ronald Fritzsch wurde umgehend fortgesetzt. Schon im August 1977 hatte die Bundesanwaltschaft Anklage wegen Mord, Nötigung von Verfassungsorganen und weiteren Straftatbeständen erhoben; es ging also um die Entführung von Lorenz und die Ermordung von Drenkmanns. Verteidigt wurde Meyer seinerzeit von Wolfgang Panka, der, zusammen mit den anderen Vertrauensanwälten, im Laufe des Verfahrens insgesamt 223 Ablehnungsanträge gegen die Richter stellte. Denn die inhaftierten Terroristen nutzten "die Öffentlichkeit, die uns der Prozeß bot, natürlich als politische Bühne und griffen, wann immer es möglich war, die Verhältnisse in der Bundesrepublik an." (60) Meyer hielt sich später zugute, daß er während der 206 Verhandlungstage so oft Randale machte, daß ihn die Kammer an insgesamt 44 Verhandlungstagen vom Prozeß ausschloß. Allerdings ist im Verhandlungsprotokoll festgehalten, daß seine Gesinnungsgenossen weitaus häufiger von der Teilnahme an den Sitzungen suspendiert waren. (61) Meyer erhielt wegen Beteiligung an der Lorenz-Entführung und Rädelsführerschaft in einer kriminellen Vereinigung im Oktober 1980 eine fünfzehnjährige Freiheitsstrafe.
In dieser Zeit verschärften sich Spannungen zwischen den in Moabit Inhaftierten Mitgliedern der "Bewegung 2. Juni" dramatisch. Seit dem Herbst 1977 gab es ideologische Differenzen zwischen Meyer und Vogel einerseits und Teufel, Reinders sowie Fritzsch andererseits. Die weiblichen Inhaftierten in Moabit, mit denen man sich mittels Kassiber verständigte, plädierten für einen Zusammenschluß mit der RAF, nachdem die "Illegalen" aufgrund der desolaten Lage ihrer Organisation um Vereinigung mit der RAF nachgesucht hatten. (62) Weil Meyer in dieser Angelegenheit nicht konsultiert worden war und auch nicht alle RAF-"Aktionen" guthieß, protestierte er gegen die Fusion und schloß für sich selbst den Übertritt zur RAF kategorisch aus. (63) Klöpper wiederum distanzierte sich von allen anderen und kehrte Anfang 1980 dem "bewaffneten Kampf" den Rücken. "Jetzt, wo uns nicht mehr der Wille zur Aktion einte, wuchs der politische Streit bis zur Feindschaft aus. [...] Jede Gruppe reklamierte für sich den richtigen politischen Weg." (64) In der Debatte um politische Fragen galten persönliche Probleme als nicht diskussionswürdig und wurden als "privatistischer Scheiß" negativ sanktioniert. "Überhaupt war der Umgang unter uns und der Ton der Kassiber vernichtend: nie ein persönliches Wort, dafür eine abstrakte Sprache und immer wieder verletzende Kritik, die einem wochenlang zu schaffen machte. [...] Die Starken setzen die Schwachen unter Druck, gefälligst auch so zu sein wie die Stärksten. Im Laufe der Jahre bin ich mit dieser Art von Hierarchie überhaupt nicht mehr klar gekommen." Das "Knastkollektiv" wurde für ihn zum "Alptraum". (65) Weil er in erregten Diskussionen seine Gesinnungsgenossen mitunter unbeherrscht anschrie, brachte er sie immer mehr gegen sich auf. "Der Ton unter uns wurde schärfer, und manchmal war ich nicht weit entfernt davon, handgreiflich zu werden." (66)
Im Sommer 1978 gaben Teufel, Reinders, Klöpper und Fritzsch ein schriftliches Interview, das eigentlich im "Stern" abgedruckt werden sollte. Meyer, Rollnik und Vogel wollten jedoch verhindern, daß die vier als Sprecher der "Bewegung 2. Juni" in der Öffentlichkeit auftreten konnten. Sie drohten der Zeitschrift deswegen mit "juristischen Schritten". (67) Außerdem machte das für eine Druckgenehmigung zuständige Gericht Vorbehalte geltend. (68) So wurde das Interview dann nicht im Namen der gesamten "Bewegung 2. Juni" abgegeben und an weniger prominenter Stelle abgedruckt. (69) Auch auf eine gemeinsame "politische Erklärung" anläßlich eines 55-tägigen Hungerstreiks im Frühjahr 1979 konnte man sich nicht mehr einigen. "Der Staat blieb auch in dieser Machtprobe hart, keine unserer Forderungen wurde erfüllt. [...] Nach sieben Hungerstreiks mit mäßigen Erfolg hielt ich dieses Kampfmittel nur noch für bedingt tauglich. Vor allem unsere Maximalforderungen blockierten jede, wenn auch nur schrittweise Veränderung der [...] Haftbedingungen." Dieses Instrument, so erkannte er zutreffend, "war inflationär eingesetzt worden und hatte nach Jahren selbst seine Mobilisierungswirkung auf die Linke verloren." (70) Dennoch begann er zusammen mit Vogel im Oktober 1979 einen erneuten Hungerstreik. (71) Aus dem Zwang zur Solidarisierung mit den anderem "politischen Gefangenen" heraus hat sich Meyer zwischen 1975 und 1982 insgesamt an sieben solcher Aktionen beteiligt.
Anfang der achtziger Jahre versuchte Meyer, die gewachsene Kluft zwischen "Stadtguerilla" und linksextremem Protestmilieu zu schließen, indem er die Anti-Atomkraftbewegung "zum offensiven Kampf gegen den Imperialismus" aufrief. (72) Die Anhänger der Neuen Sozialen Bewegungen waren jedoch zu dem von Meyer gewünschten Maß an Militanz (bis auf sehr wenige Ausnahmen) nicht bereit und nahmen seine Appelle vermutlich gar nicht zur Kenntnis. Die Aussichtslosigkeit, in der Bundesrepublik den gesellschaftlichen Umsturz anzuzetteln, konnte auch Till Meyer jetzt nicht länger leugnen. "Mit wem und für wen wollten wir wie kämpfen und vor allem - was wollten wir erreichen? Es fehlte einfach die klare Analyse, in welchem 'sozialen Teig' die Stadtguerilla wie die 'Hefe' wirken konnte." Auch die "Marginalisierten der Zweidrittel-Gesellschaft", wie Meyer sie nannte, schienen "nicht per se zur Revolte neigen. [...] Der bewaffnete Kampf war gescheitert, keines unserer Ziele hatten wir auch nur annähernd erreicht." (73) Daher wandte er sich von Mitteln und Methoden des Terrorismus ab, ohne allerdings seine linksextremen Zielvorstellungen zu revidieren. Vermutlich hatten auch die Spannungen innerhalb der Gruppe sowie die Ernüchterung über die Wirkungslosigkeit der Hungerstreiks zu diesem Entschluß maßgeblich beigetragen. So bekannte sich Meyer zum Abschluß des genannten Lorenz-Drenkmann-Prozesses zwar noch einmal öffentlich zum "bewaffneten Kampf", doch innerlich hatte er sich nach eigener Aussage inzwischen weit davon distanziert. (74) Sein Gesinnungswandel führte ihn innerhalb der politischen Linken immer stärker in ein orthodoxes Lager: "Ich verschlang die Klassiker des Marxismus-Leninismus, weil ich Antworten suchte, Anleitungen zum politischen Handeln." Besonders inspirierte ihn Lenins Schrift "Der linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus". (75) So liebäugelte er zunehmend mit den "Volksdemokratien" Osteuropas - im Gegensatz zu seinen Kampfgefährten, die "allesamt erklärte Gegner des real existierenden Sozialismus" (76) waren.
Weil sich Till Meyer zuletzt offen und eindeutig vom "bewaffneten Kampf" distanzierte, wurde im November 1986 nach insgesamt 13 Jahren Haft (einschließlich vorangegangener Haftstrafen) vorzeitig auf Bewährung aus der Haft entlassen. Die linksalternative Tageszeitung "taz" hatte ihm eine Stelle als Volontär angeboten, was Voraussetzung für den Status eines "Freigängers" war. (77) Nun arbeitete er bei einem Blatt, dem er wenige Jahre zuvor noch "unzählige Verdrehungen und Lügen über den bewaffneten Kampf" (78) unterstellt hatte. Die politische Ausrichtung der "taz" war ihm auch jetzt noch zu bürgerlich, wohingegen er der Redaktionsmehrheit als moskauhörig galt. Später erboste ihn, daß die "taz" in der Vor-"Wende"-Zeit intensiv über die DDR-Opposition berichtete (die er für "reaktionär" hielt). (79) Im Herbst 1989 schließlich kündigte er seine Tätigkeit bei der "taz", weil er glaubte, ein Redaktionskollege habe ihn durch eine Unvorsichtigkeit der Gefahr einer Verhaftung ausgesetzt, als er nach einer linksgerichteten Untergrundorganisation in Chile recherchierte. (80) Fortan arbeitete er als freier Journalist und verdingte sich als "Informant und Berater im Themenbereich Terrorismus und Innere Sicherheit" bei "Spiegel-TV". (81)
In Kenntnis seiner "positiven" Haltung gegenüber dem "sozialistischen Lager" nahm im Jahre 1987 die MfS-Abteilung XXII, zuständig für die "Abwehr" des internationalen Terrorismus, Kontakt zu Till Meyer auf. Der Ex-Terrorist und Szene-Kenner schien der Staatssicherheit geeignet (und willens), Informationen über "Aktivitäten, Verbindungen [und] Unterstützerbereich" der RAF sowie über Anhänger der "Revolutionären Zellen" zu liefern. Außerdem sollten seine "Informationen zur Personifizierung" von Angehörigen der "linksmilitanten" (autonomen) Szene in Westberlin beitragen. (82) Zwei Mitarbeiter der MfS-Abteilung XXII organisierten eine konspirative Zusammenkunft, prüften die weltanschauliche Übereinstimmung, und schon "beim zweiten Treffen haben sie mich dann direkt gefragt: 'Wollen wir zusammenarbeiten?' Ich habe geantwortet: 'Na klar'." (83) Denn seine Anliegen deckten sich mit denen der Staatssicherheit: "Die Verhältnisse in der BRD angreifen, die DDR verteidigen." (84) Verschwiegenheit und Geheimnistuerei, notwendige Voraussetzungen für eine Spitzeltätigkeit im Auftrag des MfS, lagen ihm von seiner Untergrundtätigkeit her ohnehin im Blut. Zu seiner Bereitschaft trug ferner bei, daß ihm seine Gesprächspartner vom MfS auch persönlich "sofort sympathisch" (85) waren. Außerdem stillte die Anwerbung Meyers Bedürfnis nach Selbstdarstellung (86) - was wohl im Kalkül des Staatssicherheitsdienstes lag. Sein Führungsoffizier Helmut Voigt suggerierte ihm vermutlich bewußt politische Übereinstimmung, während in Wirklichkeit der Staatssicherheitsdienst von Meyers Weltanschauung wenig hielt und sie als "Gemisch pseudorevolutionärer Theorien" (87) betrachtete. Ein- bis zweimal monatlich berichtete Meyer nun über die linksextreme Szene in Westberlin. Wenngleich er seine Agententätigkeit "nervenaufreibend" fand, weil er sich ständig zu einem "Doppelleben" gezwungen sah, erledigte er seine Spitzeldienste "mit Verve, es war meine Sache, und ich hätte auch mehr gemacht, wenn die Stasi es von mir verlangt hätte". (88) Die Treffen mit seinem Führungsoffzier Helmut Voigt fanden in Ost-Berlin statt, sofern Meyer nicht bei Exkursionen in verschiedene Bezirke der DDR die "Errungenschaften des Sozialismus" präsentiert wurden.
Meyer sollte nach dem Willen des MfS stets darauf achten, ob eine der linksextremen Gruppen in Westberlin eine DDR-kritische Stoßrichtung einnahm. Außerdem hatte er dafür zu sorgen, "daß die Linken in der taz mehr Gewicht bekamen. [...] Vor allem interessierte es die Stasi," so beschrieb Meyer zutreffend seine damalige Aufgabe, "wenn West-Journalisten über noch gesuchte RAF-Leute wie Susanne Albrecht, Werner Lotze oder Inge Viett berichten wollten oder gar deren Aufenthalt zu recherchieren versuchten. Kam mir darüber etwas zu Ohren, was öfters vorkam, da ich als Insider von den Journalisten angelaufen und um Tips gebeten wurde, berichtete ich in Ost-Berlin." Dort erhielt er dann den Auftrag, Desinformation zu betreiben. Das MfS, das die Genannten (sowie sieben weitere RAF-Aussteiger) vor der westlichen Strafverfolgung in der DDR verbarg, (89) nutzte Meyer, um gezielt Gerüchte über den Verbleib der Ex-Terroristen zu streuen. "'Die sind doch alle im Nahen Osten. Das kannste ruhig weitergeben.'" Erst im nachhinein wurde Meyer klar, "daß der Schutz dieses Staatsgeheimnisses wohl die wichtigste Funktion war, die ich für die Stasi hatte." (90) Meyer hielt seinem Führungsoffizier Voigt auch noch nach der "Wende" die Treue, als er ihn zunächst sechs Wochen vor der bundesdeutschen Strafverfolgung zu verbergen half und dann dessen Flucht ins Ausland logistisch unterstützte.
Erst 1992 wurde Meyers IM-Tätigkeit der Öffentlichkeit bekannt. (91) Sein ehemaliger Kampfgefährte "Bommi" Baumann nannte dies "knallharten Verrat" (92) an der Linken, mußte aber später eingestehen, daß er selbst dem MfS zugearbeitet hatte, als er Ende 1973 in der DDR verhaftet worden war und, im Gegenzug für seine Freilassung, sein Wissen über die RAF preisgegeben hatte. (93) Ein Ermittlungsverfahren gegen Meyer in Sachen IM-Tätigkeit mußte die Bundesanwaltschaft 1994 einstellen, weil das MfS relevantes Aktenmaterial in der "Wende"-Zeit noch rechtzeitig hatte vernichten können. (94) Seither kam der Ex-Terrorist mit dem Gesetz offenbar nicht mehr in Konflikt, denn "mit dem Ende der DDR erstarb auch Meyers kriminelle Energie." (95) Er lebt nun wieder in Trier und arbeitet dort als freier Journalist. (96) In die Öffentlichkeit trat Meyer zuletzt bei einem Kongreß linksterroristischer Gruppen in Zürich, wo er zusammen mit anderen "Veteranen" eine Bilanz des "revolutionären Kampfes" in Europa zog. (97)
Till Meyer wuchs als Halbwaise auf - eine biographische Belastung, die (im Alter von 14 Jahren) etwa jeden vierten Linksterroristen in der Bundesrepublik betrifft (und damit deutlich häufiger ist als in der Gesamtheit der Personen gleichen Alters). (98) Das "unvollständige" Elternhaus mag dazu beigetragen haben, daß Meyer die mangelnde Geborgenheit auszugleichen versuchte, indem er sich zunächst jugendlichen Cliquen anschloß und sich später um Zugehörigkeit zur (linksterroristischen) Gruppe bemühte. Der familiäre Hintergrund könnte auch eine der Ursachen gewesen sein für "eine gewisse Unstetigkeit und das mangelnde Durchstehvermögen in seinem bisherigen Leben, insbesondere bei der von ihm mehrfach in Angriff genommenen Berufsausbildung", wie es in einem Gerichtsurteil gegen ihn hieß. (99)
Spätestens seit seiner Übersiedlung nach Berlin (im Jahre 1969) bewegte sich Meyer ausschließlich in linksextremen Kreisen. Weil er Kontakte nur innerhalb "der Szene" pflegte, bestärkten er und seine Gesinnungsgenossen sich gegenseitig in ihren Ansichten. (100) "Der grundlegende gesellschaftskritische Impuls, ganz gleich welcher Couleur, konnte von den wichtigsten Gesprächspartnern nicht mehr in Frage gestellt werden." (101) Die Option "abzutauchen", d.h. persönlich am "bewaffneten Kampf" teilzunehmen, versprach das größtmögliche Prestige (was den stets Beifall erheischenden Meyer wohl besonders beeinflußte). Dabei war auch von Bedeutung, daß im Endstadium seiner politischen Sozialisation eine deutsche "Stadtguerilla" bereits existierte, denn die Baader-Meinhof-Gruppe diente ihm als Vorbild, Maßstab und Ansporn. Daß im Zuge eines Hungerstreiks der RAF-Terrorist Holger Meins starb, war auch für Meyer ein Schlüsselerlebnis. (102)
Für persönliche Probleme hatte Meyer zunehmend ein ideologisches Deutungsmuster parat, demzufolge die gesellschaftlichen Verhältnisse und die "politischen Repressionen" des Staates für sein Schicksal verantwortlich seien. Daraus ergab sich für ihn, mit Engagement - und notfalls auch mit Gewalt - gegen diese Zustände anzugehen. "Die Überzeugung, daß es besser ist, die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen, statt sich von ihnen erdrücken zu lassen, war zeitlebens Triebkraft meines Handelns." (103) Daß er sich mit seiner "Gegenwehr" bisweilen durchsetzen konnte und dadurch die "Anerkennung" Dritter fand, (104) trug zur Verfestigung dieses Verhaltensmusters bei. In diesem Zuge geriet Meyer bei Demonstrationen auch immer stärker mit der Polizei in Konflikt. Den Auslöser jeglicher Eskalation sah er unzutreffenderweise stets auf der Seite des Staates - "wir fühlten uns berechtigt, ja, verpflichtet, auf diese Gewalt [der Polizei] mit Gegengewalt zu antworten." (105) Trotz subjektiv berechtigter Anliegen repressiven Maßnahmen unterworfen zu sein, kann mit dem Befürworten von Gewalt und einer erhöhten Bereitschaft zur Beteiligung an Folgeaktionen einhergehen. (106) Doch im Gegensatz zu seinen Klagen über die "Repressionen der Staatsgewalt" existierten auch Strafbefehle wegen gänzlich unpolitischer Straftatbestände gegen ihn (etwa wegen Autofahrens ohne Fahrerlaubnis, Vollrausch und Fahrerflucht). (107) Als dann die Außerparlamentarische Opposition zerfiel, schien ihm die "Anwendung von aggressiver Gewalt als ein taktisches Mittel" naheliegend, um "die angestrebten strategischen Ziele doch noch zu erreichen", (108) d.h. die Revolte von 1968 zum späten Erfolg zu führen. Später suchte Meyer regelrecht die Auseinandersetzung mit den Staatsorganen - auch um sich zu beweisen und seinem wachsenden Haß auf "das System" ein Ventil zu öffnen.
Meyer sieht sich selbst als "Staatsfeind", so der Titel seiner Autobiographie, was nicht bloß eine rückblickende Überzeichnung seines rebellischen Geistes ist. (109) Skrupel waren ihm bei seinen Angriffen auf die Repräsentanten des Systems weitgehend fremd - daß etwa bei der sogenannten Mai-Offensive der RAF von 1972 vier Menschen bei Anschlägen auf amerikanische Militäreinrichtungen starben, hielt er für "moralisch gerechtfertigt". (110) Als acht Jahre später das Attentat auf Alexander Haig fehlschlug, fand Meyer, es sei nur "zu bedauern, daß der Angriff der RAF auf diesen Lumpen daneben ging." (111) Und heute noch bekennt er sich dazu, daß er bei einer drohenden Festnahme jederzeit bereit gewesen sei, auf Polizisten gezielt zu schießen. (112)
Das Selbstbild ist das eines fanatischen "Berufsrevolutionärs". "Zweifel an der Richtigkeit meines Tuns gab es nicht." (113) Auf seine Ehre als "Stadtguerillero" läßt er bis heute nichts kommen - Disziplinverstöße, wie ein geplanter Scheinüberfall auf türkische Mädchen in der Neujahrsnacht 1974/75, (114) erwähnt Meyer in seiner Autobiographie mit keinem Wort. (115) Auch beschönigt er im Rückblick die Umstände seiner Befreiung aus der Haftanstalt Moabit 1978 - Geistesgegenwart und "Cleverness" gingen ihm damals weitgehend ab, was den gegen ihn erhobenen Vorwurf des "Maulheldentums" (116) untermauert. Da Meyer mitunter zur Überheblichkeit neigte, geriet er häufiger mit den weiblichen Mitgliedern der "Bewegung 2. Juni" in Konflikt. Diese wollten den emanzipatorischen Akt, den in ihren Augen die Teilnahme am "bewaffneten Kampf" darstellte, (117) nicht durch Meyers machohafte Züge konterkariert wissen. (118)
Meyer zählte zur "Bewegung 2. Juni", zeigte jedoch eine deutliche politische Affinität zur RAF. Diese Gruppierung orientierte sich aus ideologischen Gründen an den weltweiten Befreiungsbewegungen, was den eigenen Präferenzen entsprach. Darüber hinaus bevorzugte sie "militärische Strukturen", (119) so wie Meyer innerhalb seiner Organisation ebenfalls für eine klare Befehlshierarchie plädierte. (120) Jedoch stimmte er mit den Kampfgefährten von der "Bewegung 2. Juni" darin überein, daß ihre Aktionen "den Massen" zu vermitteln seien, während die strategisch ambitionierteren Anschläge der RAF eine "grandiose Selbstüberschätzung" der eigenen Kräfte darstellten. (121) Meyer verzichtete im übrigen auch deshalb auf einen Anschluß an die RAF, weil ihm und seinen Gesinnungsgenossen stärker als den RAF-Mitgliedern daran gelegen war, "uns selbst [zu] befreien." (122)
Meyers starke Sympathie für die Staaten des "real existierenden Sozialismus" wurzelt - angeblich - schon in seiner Jugend. Sein Patenonkel, ein 1949 in die DDR übergesiedelter "Antifaschist", prägte offenbar in besonderem Maße die Weltanschauung des Jugendlichen. (123) Meyer, zeitweilig Mitglied der DKP, begrüßte 1968 den Einmarsch der sowjetischen Streitkräfte in die Tschechoslowakei. (124) Später neigte er der Kommunistischen Partei Chinas zu. Innerhalb der "Bewegung 2. Juni" galt Meyer dann wieder als DDR-freundlich und wurde als "Moskau-Fraktion" verspottet. (125) So betrachtet, kann seine Tätigkeit als Inoffizieller Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes kaum überraschen. (126)
Wie oben geschildert, hat sich Till Meyer von einem Linksterroristen zu einem nicht-militanten Linksextremisten gewandelt (was die Voraussetzung seiner vorzeitigen Entlassung aus dem Gefängnis war). Die Aussichtslosigkeit des "bewaffneten Kampfes", die internen Spannungen in der "Bewegung 2. Juni", die Wirkungslosigkeit der Hungerstreiks und die Haftbedingungen hatten bei ihm einen nachhaltigen Ernüchterungsprozeß in Gang gesetzt. Wieder in Freiheit, wollte er "mit kühlem Kopf jede Möglichkeit der politischen Agitation nutzen", mochte sich jedoch auf "keine Abenteuer" mehr einlassen. Auch wollte er sich keiner Gruppierung mehr anschließen - zu zersplittert, individualisiert und strategielos erschienen ihm die Überbleibsel der Neuen Linken zu sein. (127) Deutlichstes Indiz seiner politischen Mäßigung ist der Wandel seiner politischen Perzeptionen, die im Laufe der Jahre an Realitätsgehalt deutlich gewonnen haben. Der "Insider" Meyer räumt heute beispielsweise ein, daß Ulrike Meinhof tatsächlich Selbstmord beging (128) und daß die Haftbedingungen von Linksterroristen nicht immer einer "Isolatiosfolter glichen. (129) Dagegen glaubt er in seiner Selbstüberschätzung heute noch, die bundesdeutsche "Stadtguerilla" hätte einen - wie auch immer gearteten - Beitrag zum Sieg des kommunistischen Nordvietnam über die Weltmacht USA geleistet. (130) Noch weltfremder war Meyers seinerzeitige Whrnehmung des Oktoberfest-Attentats von 1980, das ein rechtsextremer Einzeltäter zu verantworten hatte. "Der Staat", so erklärte er damals allen Ernstes, habe den Anschlag der linken Stadtguerilla "in die Schuhe zu schieben" versucht. Dies sei jedoch gescheitert, weil die Ausführung fehlschlug - der Attentäter wurde bei der Detonation der Bombe getötet. (131) Heute distanziert sich Meyer weitgehend von solchen Verschwörungstheorien und kommt, im Rückblick auf die Gerüchte um die Ermordung Schmückers, zu dem bemerkenswerten Urteil: "Die Linke schätzt Legenden und Mythen." (132)
Als linksterroristischer Täter hat sich Till Meyer in die Selbstbezichtigungsschreiben und Prozeßerklärungen der "Bewegung 2. Juni" eingebracht. Diese sind jedoch, bis zur Spaltung der Gruppe der Moabiter Inhaftierten, "kollektiv" verfaßt und lassen sich nicht einzelnen Autoren zurechnen. (133) Weil es das Selbstverständnis den Linksterroristen quasi verbietet, Wert auf ihre Einzelbiographien zu legen, nahm Meyer lange Jahre zu seiner Person oder Entwicklung keine Stellung. (134) Nach seiner Haftentlassung im November 1986 erschien ein längerer Aufsatz aus seiner Feder in der "Frankfurter Rundschau", (135) der zwar von dem Wandel seiner politischen Einstellung zeugt, jedoch kaum biographische Details enthält. Als Volontär der "Tageszeitung" schrieb Meyer dann beispielsweise über Themen wie den Mord an Ulrich Schmücker, die drohende Todesstrafe für chilenische Oppositionelle, den Bombenanschlag auf die Diskothek "La Belle", die Tätigkeit des Berliner Landesamtes für den Verfassungsschutz und die Drogenproblematik in bundesdeutschen Haftanstalten. Seine Berichte entsprachen im Tenor eher der Linie der "Tageszeitung" als Meyers eigenen linksextremen Ansichten, was auf eine starke redaktionelle Bearbeitung der Texte schließen läßt. (136)
Rund ein Jahrzehnt nach seiner ausdrücklichen Abkehr von der politisch motivierten Gewalt nahm Meyer dann, in einer knapp 500seitigen Autobiographie, zu seinem Lebenslauf Stellung. Hierzu trug bei, daß mittlerweile immer mehr Ex-Terroristen ihr Schweigen gebrochen hatten, (137) Meyer sich angesichts seiner 1992 aufgedeckten MfS-Mitarbeit einem besonderen Rechtfertigungsdruck ausgesetzt sah, und das politische Klima des "postkommunistischen Zeitalters" eine Aufarbeitung der deutschen "Stadtguerilla"-Geschichte nahelegte. Unter dem Titel "Staatsfeind" berichtete Meyer allerdings immer noch "im Stile eines großmäuligen Bekennerschreibens" (138) von seinen Taten. Da er "nichts bereute" und auch nicht "Träger der historischen Wahrheit" (139) sein wollte, präsentierte er sich mehr als Protagonist denn als Chronist linker Militanz. Seine Schilderungen bedürfen daher, mehr noch als andere Autobiographien, (140) einer sorgfältigen Überprüfung. Da jedoch viele der dargestellten Vorgänge im politischen Untergrund mittlerweile aktenkundig sind und außerdem weitere Angehörige der "Bewegung 2. Juni" ihre Erinnerungen zu Papier gebracht haben, (141) lassen sich viele seiner Angaben hinreichend verifizieren. Der eigentliche Wert seiner Ausführungen liegt ohnehin in seinem Bestreben und seiner Bereitschaft, in der Rückschau über die eigene "innere Haltung" (142) Aufschluß zu geben und die subjektive Motivgeschichte eines Linksterroristen offenzulegen.
(1) Vgl. Till Meyer, Staatsfeind. Erinnerungen, Hamburg 1996, S. 218-224. Leider war Till Meyer zu einem Gespräch mit dem Verfasser nicht bereit.
(2) Ebd., S. 225.
(3) Ebd., S. 74-80.
(4) Ebd., S. 83 f.
(5) Ebd., S. 110.
(6) Vgl hierzu Karl A. Otto, Vom Ostermarsch zur APO. Geschichte der Außerparlamentarischen Opposition in der Bundesrepublik 1960-1970, Frankfurt a.M. 1977; ders., APO. Die Außerparlamentarische Opposition in Quellen und Dokumenten, München 1989; Willy Albrecht, Der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS), Berlin 1994; Jürgen Briem, Der SDS. Die Geschichte des bedeutendsten Studentenverbandes der BRD seit 1945, Frankfurt a.M. 1976; Tilman Fichter/Siegward Lönnendonker, Kleine Geschichte des SDS. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund von 1946 bis zur Selbstauflösung, Berlin 1977; Bernd Guggenberger, Wohin treibt die Protestbewegung? Junge Rebellen zwischen Subkultur und Parteikommunismus, Freiburg 1975.
(7) Meyer (FN 1), S. 118, 121, 123.
(8) Ebd., S. 122-123.
(9) Ebd., S. 133.
(10) Ebd., S. 138-154.
(11) Ebd., S. 142.
(12) Bericht der Hauptverwaltung Aufklärung vom 29. Januar 1969; Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen (BStU), Zentralarchiv (ZA), Hauptabteilung (HA) XXII 1191, Bl. 233-234.
(13) Vgl. Meyer (FN 1), S. 161.
(14) Vgl. Michael (Bommi) Baumann, Wie alles anfing, Berlin 1991 (Erstauflage 1975); Ders.: Hi ho. Wer nicht weggeht, kommt nicht wieder, Hamburg 1987; Uwe Backes, Bleierne Jahre. Baader-Meinhof und danach, Erlangen 1991, S. 142-149.
(15) Vgl. Ralf Reinders/Ronald Fritzsch, Von den Haschrebellen zur Bewegung 2. Juni in: Dies., Die Bewegung 2. Juni. Gespräche über Haschrebellen, Lorenzentführung, Knast, Berlin 1995, S. 11-59, S. 39.
(16) Vgl. Meyer (FN 1), S. 142, 157.
(17) Vgl. Baumann (FN 14).
(18) Meyer (FN 1), S. 179.
(19) Vgl. ebd., S. 186.
(20) Vgl. Urteil des Landgerichts Bielefeld gegen Till Meyer vom 11. Dezember 1972 (5 Ks 5/72).
(21) Vgl. Meyer (FN 1), S. 263-282.
(22)Vgl. ebd., S. 288-290.
(23) Ebd., S. 291.
(24) Siehe auch Stefan Aust, Kennwort Hundert Blumen. Die Verwicklung des Verfassungsschutzes in den Mordfall Ulrich Schmücker, Hamburg 1980.
(25) Vgl. Meyer (FN 1), S. 293.
(26) Ebd., S. 301, 324.
(27) Vgl. Reinders/Fritzsch (FN 15), S. 61-113, S. 70.
(28) Vgl. Meyer (FN 1), S. 253.
(29) Vgl. Inge Viett, Nie war ich furchtloser. Autobiographie, Hamburg 1996, S. 124.
(30) Meyer (FN 1), S. 23.
(31) Ebd., S. 44.
(32) Ebd., S. 63, 65.
(33) Vgl. ebd., S. 66.
(34) Ebd., S. 339.
(35) Vgl. hierzu Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Dokumentation zu den Ereignissen und Entscheidungen im Zusammenhang mit der Entführung von Hanns Martin Schleyer und der Lufthansa-Maschine ,Landshut', Bonn 1977.
(36) Meyer (FN 1), S. 349. Später kritisierte er die "Aktion" auch nur deswegen, weil die äußerst unpopuläre Entführung von Urlaubern der "revolutionären Sache" einen schlechten Dienst erwiesen habe.
(37) Ebd., S. 358.
(38) Viett (FN 29), S. 192-193.
(39) Ebd., S. 195.
(40) Vgl. ebd., S. 196.
(41) Meyer (FN 1), S. 360.
(42) Vgl. Erklärung von Andreas Vogel zur Befreiung von Till Meyer vom 30. Mai 1978, abgedruckt in: Bewegung 2. Juni, Der Blues. Gesammelte Texte der Bewegung 2. Juni (2 Bde.), S. 208-209.
(43) Vgl. Viett (FN 29), S. 180.
(44) Ebd., S. 195.
(45) Bericht der Hauptabteilung IX über den Stand der bisherigen Maßnahmen zum Westberliner Fahndungsersuchen gegen Till Meyer vom 21. Juni 1978; BStU, ZA, HA XXII 1190, Bl. 73-78.
(46) Vgl. Meyer (FN 1), S. 363, 366.
(47) Vgl. Zeugenaussage eines Beamten im Lorenz-Drenkmann-Prozeß, zitiert nach: Frankfurter Rundschau vom 12. April 1980.
(48) Meyer (FN 1), S. 378.
(49) Ders., "Konnten wir nicht der Funke sein, der zum Steppenbrand führt?", in: Frankfurter Rundschau vom 3. Februar 1987.
(50) Vgl. Schreiben von Till Meyer an Friedrich Karl Kaul vom 26. Juni 1978; BStU, ZA, HA XXII 1190, Bl. 48 f.
(51) Vgl. Meyer (FN 1), S. 384.
(52) Telegramm des bulgarischen Innenministers Dimitr Stojanow an Mielke vom 23. Juni 1978; BStU, ZA, HA XXII 1190, Bl. 81.
(53) Vgl. Meyer (FN 1), S. 376.
(54) Telegramm des bulgarischen Innenministers Dimitr Stojanow an Mielke vom 23. Juni 1978; BStU, ZA, HA XXII 1190, Bl. 81.
(55) Vgl. Viett (FN 29), S. 203.
(56) Information der Abteilung XXII über das führende Mitglied der anarchistisch-terroristischen Gruppierung "Bewegung 2. Juni" Meyer, Till vom 8. Dezember 1978; BStU, ZA, HA XXII 1191, Bl. 31-34.
(57) Information zu Aktivitäten von Vertretern der palästinensischen Befreiungsorganisation in Verbindung mit internationalen Terroristen zur Einbeziehung der DDR bei der Vorbereitung von Gewaltakten in Ländern Westeuropas vom 3. Mai 1979; BStU, ZA, HA XXII 18613, Bl. 277-292.
(58) Meyer (FN 1), S. 396.
(59) Ebd., S. 384.
(60) Ebd., S. 390.
(61) Vgl. Der Blues (FN 42), S. 881-882.
(62) Letzte Erklärung der Bewegung 2. Juni, abgedruckt in: Tageszeitung vom 11. Juni 1980.
(63) Vgl. Meyer (FN 1), S. 392, 410; Andreas Vogel/Till Meyer, Verwirrung durch Desinformation, in: Tageszeitung vom 7. Mai 1980.
(64) Meyer (FN 1), S. 350.
(65) Ebd., S. 393, 399.
(66) Ebd., S. 422-423.
(67) Till Meyer/Gabriele Rollnik/Andreas Vogel, Schreiben an die Redaktion des "Stern", abgedruckt in: Der Blues (FN 42), S. 679.
(68) Vgl. Reinders/Fritzsch (FN 15), S. 115.
(69) Vgl. Ronald Fritzsch/Gerald Klöpper/Ralf Reinders/Fritz Teufel, Die Unbeugsamen von der Spree, in: Karl Heinz Roth/Fritz Teufel (Hrsg.), Klaut sie! (Selbst-)Kritische Beiträge zur Krise der Linken und der Guerilla, Tübingen 1979, S. 5-19.
(70) Meyer (FN 1), S. 395f.
(71) Vgl. Hungerstreikerklärung von Till Meyer und Andreas Vogel vom 10. Oktober 1979, abgedruckt in: Der Blues (FN 42), S. 385.
(72) Vgl. Till Meyer/Andreas Vogel, Zum Kampf gegen die Atompolitik, abgedruckt in: Der Blues (FN 42), S. 791-807.
(73) Meyer (FN 1), S. 407, 409.
(74) Ebd., S. 410-412.
(75) Ebd., S. 406.
(76) Ebd., S. 408.
(77) Vgl. Tageszeitung vom 27. Januar 1992. In seiner Autobiographie behauptet Meyer hingegen, er selbst habe (unter Mithilfe eines Ex-Genossen) für das Entreé bei der "taz" gesorgt. Vgl. Meyer (FN 1), S. 448.
(78) Andreas Vogel/Till Meyer, Verwirrung durch Desinformation, in: Tageszeitung vom 7. Mai 1980.
(79) Vgl. Meyer (FN 1), S. 450, 465.
(80) Vgl. ebd., S. 468.
(81) Vgl. Tageszeitung vom 27. Januar 1992.
(82) Analyse der IM-Arbeit der Abteilung XXII/8 auf der Grundlage der 1988 erzielten Ergebnisse bei der Qualifizierung und Erweiterung des IM-Bestandes vom 22. Februar 1989; BStU, ZA, HA XXII 521.
(83) Vgl. Tageszeitung vom 31. Januar 1992.
(84) Meyer (FN 1), S. 452.
(85) Ebd.
(86) So die Vermutung seines ehemaligen Kampfgefährten Ronald Fritzsch. Vgl. Tageszeitung vom 28. Januar 1992.
(87) Information der Abteilung XXII über das führende Mitglied der anarchisch-terroristischen Gruppierung "Bewegung 2. Juni" Meyer, Till vom 8. Dezember 1978; BStU, ZA, HA XXII 1191, Bl. 31-34.
(88) Meyer (FN 1), S. 458.
(89) Vgl. Michael Müller/Andreas Kanonenberg, Die RAF-Stasi-Connection, Berlin 1992.
(90) Meyer (FN 1), S. 454 f.
(91) Vgl. Tageszeitung vom 27. Januar 1992.
(92) Zitiert nach Tageszeitung vom 28. Januar 1992.
(93) Vgl. Der Spiegel Nr. 4/1998, S. 116 f.; Michael (Bommi) Baumann, "Das war ein Geschäft" (Interview mit Baumann), in: Tageszeitung vom 19. Januar 1998.
(94) Vgl. Meyer (FN 1), S. 472.
(95) So Jochen Staadt in seiner Rezension von Meyers Autobiographie, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. Januar 1997.
(96) Vgl. Trierischer Volksfreund vom 30. April 1998.
(97) Vgl. Tageszeitung vom 24. Mai 1997.
(98) Vgl. Gerhard Schmidtchen, Terroristische Karrieren. Soziologische Analyse anhand von Fahndungsunterlagen und Prozeßakten, in: Herbert Jäger/Gerhard Schmidtchen/Lieselotte Süllwold, Lebenslaufanalysen (= Analysen zum Terrorismus, Bd. 2, hrsg. v. Bundesministerium des Inneren), Opladen 1981, S. 14-77, S. 29.
(99) Vgl. Urteil des Landgerichts Bielefeld gegen Till Meyer vom 11. Dezember 1972 (5 Ks 5/72).
(100) Vgl. Herbert Jäger, Die individuelle Dimension terroristischen Handelns. Annäherungen an Einzelfälle, in: Ders./Schmidtchen/Süllwold (FN 97), S. 120-174, S. 156.
(101) Schmidtchen (FN 97), S. 45.
(102) Vgl. Meyer (FN 1), S. 318; Hans-Joachim Klein, Rückkehr in die Menschlichkeit. Appell eines ausgestiegenen Terroristen, Reinbek 1979, S. 195-196.
(103) Meyer (FN 1), S. 71.
(104) Dies gilt, wie oben geschildert, schon für seine jugendliche Clique. In der Lorenz-Entführung motivierte ihn beispielsweise, als Mitglied der "Bewegung 2. Juni" die Bundesregierung herauszufordern zu können: "Wir, die Underdogs, die ewigen Verlierer und Proleten, diktierten das Handeln. Genugtuung!" Ebd., S. 29.
(105) Ebd., S. 156.
(106) Vgl. Susanne Karstedt-Henke, Theorien zur Erklärung terroristischer Bewegungen, in: Erhard Blankenburg (Hrsg.), Politik der inneren Sicherheit, Frankfurt a.M. 1980, S. 169-234, S. 206-207; Wolf-Dieter Narr, Demonstranten, Politiker (Polizei) und Journalisten. Zwölf Thesen zur Gewalt, in: Reiner Steinweg (Red.), Faszination der Gewalt. Politische Strategie und Alltagserfahrung, Frankfurt a.M. 1983, S. 30-59; Ulrich Matz, Über gesellschaftliche und politische Bedingungen des deutschen Terrorismus in: Ders./Gerhard Schmidtchen, Gewalt und Legitimität (= Analysen zum Terrorismus, Bd. 4/1, hrsg. v. Bundesministerium des Inneren), Opladen 1983, S. 16-103, S. 93.
(107) Vgl. Urteil des Landgerichts Bielefeld gegen Till Meyer (FN 98).
(108) Henner Hess, Terrorismus und Terrorismus-Diskurs, in: Kriminologisches Journal Nr. 2/1983, S. 89-109, S. 101 f.
(109) Auch im Vergleich mit seinen Gesinnungsgenossen war ihm ein besonderes Maß an Militanz zu eigen - nach dem Tod Georg von Rauchs etwa wollte Baumann alsbald aussteigen, während Meyer noch Jahre am "bewaffneten Kampf" festhielt.
(110) Meyer (FN 1), S. 200.
(111) Ders., Schlußwort vom 30. September 1980, abgedruckt in: Der Blues (FN 42), S. 883-904.
(112) Vgl. Meyer (FN 1), S. 278.
(113) Ebd., S. 369.
(114) Vgl. Viett (FN 29), S. 127.
(115) Vgl. Meyer (FN 1), S. 322.
(116) Viett (FN 29), S. 192 f.
(117) Vgl. u.a. Susanne v. Paczensky (Hrsg.), Frauen und Terror, Reinbek 1978; Francoise d'Eaubonne, Feminismus und Terror, München 1978; Werner Jubelius, Frauen und Terror, in: Kriminalistik 35 (1981), H. 6, S. 247-255.
(118) Vgl. u.a. Meyer (FN 1), S. 398.
(119) Siehe auch Gert Holzapfel, Vom schönen Traum der Anarchie. Zur Wiederaneignung und Neuformulierung des Anarchismus in den Neuen Linken, Berlin 1984, S. 224-234.
(120) Vgl. Meyer (FN 1), S. 283, 289.
(121) So die Einschätzung von Inge Viett, zitiert nach Oberlandesgericht Koblenz, 2. Strafsenat, Urteil gegen Inge Viett vom 26. August 1992 (2 StE 3/91), S. 31.
(122) Gerald Klöpper, Widerstand gegen die Staatsgewalt. Erfahrungen aus der Bewegung '2.Juni', in: Michael Sontheimer/Otto Kallscheuer (Hrsg.), Einschüsse. Besichtigung eines Frontverlaufs zehn Jahre nach dem Deutschen Herbst, Berlin 1987, S. 58-77, S. 63.
(123) Vgl. Meyer (FN 1), S. 227.
(124) Vgl. ebd., S. 125.
(125) Ebd., S. 325.
(126) Dagegen hielt es Wolfgang Gast für "kaum nachvollziehbar", "wie aus dem undogmatischen Linken ein überzeugter Stasi-Mitarbeiter" wurde. Vgl. Tageszeitung vom 2. Oktober 1996.
(127) Vgl. Meyer (FN 1), S. 446, 447.
(128) Vgl. ebd., S. 69.
(129) Vgl. ebd., S. 63, 65. Die Einführung von Trennscheiben bei Gesprächen inhaftierter Terroristen mit ihren Rechtsanwälten (1978), so ist Meyers Ausführungen zu entnehmen, war insofern berechtigt, als tatsächlich intensiv Kassiber geschmuggelt wurden. Gleichwohl fanden die Inhaftierten später andere Mittel und Wege zur Verbindungsaufnahme mit den "Illegalen". Vgl. Meyer (FN 1), S. 67.
(130) Vgl. ebd., S. 201.
(131)Till Meyer, Schlußwort vom 30. September 1980, abgedruckt in: Der Blues (FN 42), S. 883-904.
(132) Vgl. Meyer (FN 1), S. 296.
(133) Vgl. u.a. Erklärung von Till Meyer zu seiner Verhaftung von 1978; Ronald Fritzsch/Gerald Klöpper/Till Meyer/Ralf Reinders/Fritz Teufel/Andreas Vogel, Pressemitteilung der Moabiter Sechser-Bande vom 5. Februar 1977; Till Meyer/Andreas Vogel, Erklärung vom 6. November 1979; dies., "noch mal was zum trakt" vom August 1979, jeweils abgedruckt in: Der Blues (FN 42), S. 202-207, 418-422, 665-670, 680-684.
(134) Vgl. die unter dem irreführenden Titel "Angaben zur Person" abgegebene Erklärung von Till Meyer und Andreas Vogel, abgedruckt in: Der Blues (FN 42), S. 686-690.
(135) Vgl. Meyer (FN 49).
(136) Vgl. u.a. Tageszeitung vom 5. August 1988; 6. August 1988; 13. Dezember 1988; 22. Dezember 1988; 23. März 1989; 18. September 1989.
(137) Vgl. Viett (FN 29); "Wir haben mehr Fragen als Antworten". RAF. Diskussionen 1992-1994 (hrsg. vom ID-Archiv/Amsterdam), Berlin 1995; Peter-Jürgen Boock, "Mit dem Rücken zur Wand". Ein Gespräch über die RAF, den Knast und die Gesellschaft (Interview mit Boock), Bamberg 1994.
(138) So Staadt (FN 95).
(139) Vgl. Meyer (FN 1), S. 7.
(140) Vgl. u.a. Roy Pascal, Die Autobiographie. Gehalt und Gestalt, Stuttgart 1965.
(141) Vgl. Viett (FN 29); ders., Einsprüche. Briefe aus dem Gefängnis, Hamburg 1996; Reinders/Fritzsch (FN 15); Baumann (FN 14).
(142) Vgl. u.a. Michael Corsten, Beschriebenes und wirkliches Leben. Die soziale Realität biographischer Kontexte und Biographie als soziale Realität, in: BIOS. Zeitschrift für Biographieforschung und Oral History 7 (1994), H. 2, S. 185-205.
Online-Fassung des Artikels in: Jahrbuch Extremismus und Demokratie 10, Baden-Baden 1998