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Partei ohne Mitte - Die programmatischen Auseinandersetzungen in der PDS von Jürgen P. Lang Problemstellung
Die Ausgangslage
Ideologische Positionen im Spiegel der Programmdebatte
Die Programmdebatte als Glaubenskrieg
Ergebnisse
Anmerkungen
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Auf dem Cottbuser Parteitag der PDS gibt Lothar Bisky im Oktober 2000 das Amt des Parteivorsitzenden ab; seitdem ist auch Gregor Gysi nicht mehr Chef der Bundestagsfraktion. Der eine als kompromißorientierte Integrations-, der andere als intern anerkannte Leitfigur, sie waren jeweils auf ihre Art Garanten für den Zusammenhalt der PDS. (1) Bisky und Gysi hinterließen eine Partei, der kundige Beobachter schon seit längerem attestierten, keine Mitte, kein integrierendes Zentrum zu haben. (2) Mindestens zwei Lager rängen um Einfluß, versuchten, an sich unvereinbare Positionen durchzusetzen, ohne daß ein programmatischer Konsens zustande gekommen sei. Zu verschieden seien die Deutungen der Vergangenheit gewesen, zu verschieden auch die Vorstellungen von der Zukunft. Seit 1995 nun versuchen die Parteiführungen mit unterschiedlicher Verve, das 1993 beschlossene Grundsatzprogramm durch ein neues zu ersetzen - bislang ohne Ergebnis. Der jüngste Anlauf, eine Debatte über fundamentale Fragen des ideologischen Selbstverständnisses zu starten, datiert auf Januar 1999. (3) Seitdem führen Exponenten unterschiedlicher Strömungen eine Vielzahl an Entwürfen und Stellungnahmen ins ideologische Schlachtfeld, ohne daß jedoch Konturen eines allseits anerkannten Programmes zu Tage traten. Woran liegt das? Droht die PDS stärker als je zuvor zwischen zwei Polen zerrissen zu werden?
Gregor Gysi hat jüngst auf ein Paradox aufmerksam gemacht: Nach 1998, als die PDS ihre selbstgesteckten Ziele bei der Bundestagswahl erreicht hatte, hätten intern die “Aufstellung von Dogmen und die Ideologisierung jeder Form von Politik [...] an Gewicht gewonnen. Gerade duch ihre Erfolge sind die sogenannten Reformer partiell in die Defensive geraten.” (4) Folgt man Gysi, vemochten es diese Erfolge nicht, eine Mehrheit in der Partei für die politischen Konzepte der “Reformer” zu überzeugen. Aus deren Sicht entbehrt es deshalb nicht einer gewissen Tragik, bislang alle Parteivorstände auf Bundes- und (mit Ausnahme einiger westlicher Landesverbände) auf Länderebene zumindest personell dominiert zu haben, während es ihnen nicht gelungen ist, ihre programmatischen Vorstellungen vollends durchzusetzen. Offenbar schaffte es das orthodox-marxistische und kommunistische Lager beizeiten, an der Basis Mehrheiten zu mobilisieren, die den “Erneuerungskurs” der PDS-Führungen entscheidend bremsten.
Dies ist zu klären, und es drängen sich weitere Fragen auf. Wo liegen die - ideologischen - Grenzen, die, wenn es sie gibt, in der PDS nicht überschritten werden dürfen? Umgekehrt: Was eigentlich eint die Partei? Ist es nur ein Burgfrieden, der, wie Gysi mutmaßte, immer dann in einen offenen, existenzgefährdeten Konflikt umschlägt, wenn der Druck seitens der politischen Gegner nachläßt? Ist der Programmstreit Teil eines solchen Konflikts, bei dem es den Kontrahenten gar nicht darum geht, sich über einen innerparteilichen Konsens zu verständigen, sondern darum, die eigene Ideologie kompromißlos durchzusetzen? Sicherlich hätte im Falle eines Sieges eines der beiden Lager die PDS zwar an “sozialistischem Profil” gewonnen, allerdings mit unabschätzbaren Folgen.
Im folgenden ist von “Reformern” einerseits und “Orthodoxen” andererseits die Rede. Diese Eingrenzung ist insofern gerechtfertigt, als beide Seiten in der Programmdebatte jeweils als Einheit auftraten und den Gegner auch als solche identifizierten. Beispielsweise nahmen die beiden “orthodoxen” Gruppierungen Kommunistische Plattform und Marxistisches Forum aufeinander bezug; ihre Protagonisten veröffentlichten eine Reihe gemeinsamer Stellungnahmen gegen die “Reformer”. Natürlich besteht die PDS nicht aus genau zwei, ideologisch akkurat abgrenzbaren “Fraktionen”. Die Begriffe bezeichnen aber die Pole der innerparteilichen Auseinandersetzungen, die sich im Kern um die Deutungsmacht darüber drehen, was “Sozialismus” war, ist und sein soll.
In der folgenden Analyse werden zunächst die “sozialistischen” Grundpositionen der “Reformer” denen der “Orthodoxen” gegenübergestellt - auf der Basis des 1993 beschlossenen Grundsatzprogramms. Dies dient nicht zuletzt auch der Abgrenzung der beiden Lager voneinander. Ich analysiere anschließend die unterschiedlichen Auffassungen, wie sie in der Programmdebatte zu tragen kamen, Argumente und Gegenargumente sowie Verlauf und Charakter der Auseinandersetzungen. Es geht darum aufzuzeigen, ob, wann und auf welche Weise die Beteiligten bereit oder gezwungen waren, Zugeständnisse zu machen. Das kann Aufschluß geben über das, was eigentlich in der Partei durchsetzbar ist und was nicht, und darüber, ob die Partei überhaupt im Sinne der “Reformer” wandelbar ist. Dieser Beitrag will auch die Perspektiven aufzeigen, die sich der PDS nach dem Rückzug Biskys und Gysis bieten, gerade im Hinblick auf einen möglichen Wandel hin zu einer demokratischen Organisation. Im Mittelpunkt stehen ideologische Überlegungen innerhalb der Partei und ihrer Lager.
Angestoßen hatte die überwiegend reformerische Parteiführung die Programmdiskussion mit dem Motiv, das “sozialistische Profil” der PDS zu schärfen, was wiederum Voraussetzung sei für die Politikfähigkeit der Partei. (5) Schenkt man der Aussage Glauben, muß man annehmen, die PDS verfüge bereits über ein ideologisches Konzept, das lediglich konturierter zum Ausdruck gebracht werden müßte. Tatsächlich aber sucht man in den von Parteitagen verabschiedeten programmatischen Papieren vergeblich nach einer eindeutigen Aussage zum Sozialismus. So war der Begriff des “demokratischen Sozialismus” immer vage genug, um jedem innerparteilichen Lager ausreichend Interpretationsspielraum zu lassen.
Im derzeit noch gültigen Grundsatzprogramm ist einerseits von einem - unter anderem Freiheit, Gleichheit, Solidarität und Emanzipation implizierenden -“Wertesystem” die Rede, andererseits von einer gegen allerlei Sorten der Unterdrückung gerichteten “Bewegung”. Ferner wird Sozialismus als “notwendiges Ziel” (6) bezeichnet, nicht aber näher erläutert. Daß Sozialismus überhaupt als Ziel in das im Januar 1993 verabschiedete Parteiprogramm Eingang gefunden hat, war eindeutig den “orthodoxen” Kräften innerhalb der PDS zu verdanken. Im Entwurf der “Reformer”-dominierten Grundsatzkommission hieß es noch: “Sozialismus ist für uns nicht ein abstraktes Ideal, aber auch nicht die Verwirklichung einer einer ideal gedachten Gesellschaft. Dieser Weg hat sich als falsch erwiesen.” (7) Auch in anderen parteioffiziellen Dokumenten (8) fand sich ebenso wie in Papieren der “Reformer” (9) das lose Nebeneinander der drei diffus gehaltenen Elemente.
André Brie, einer der Vordenker der “Reform”-Ideologie und intern schärfster Kritiker der eigenen Partei, führte dies darauf zurück, daß es 1993 nicht möglich war, “in wesentlichen politischen Fragen” zu einer Entscheidung zwischen den Lagern zu kommen. Im Programm seien lediglich “Differenzen beschrieben oder mit verbalen Kompromissen überdeckt” worden. Nur “völlig unzureichend” sei die PDS “in der Lage oder bereit [gewesen], ihren sozialistischen Charakter zu bestimmen”. (10) An diesem Zustand hat sich nach acht Jahren nichts geändert. In einer Entschließung stellte der Münsteraner Parteitag der PDS im April 2000 fest, es gebe “einen erheblichen Klärungsbedarf zu Grundsatzfragen.” (11) Eine Auffassung, die der “orthodoxe” Flügel im übrigen mit der Bemerkung konterte, eine schnelle Entscheidung über eine bestimmte ideologische Orientierung der PDS sei an der Basis nicht erwünscht und führe die Partei in eine “Zerreißprobe”. (12) Worin nun bestehen die - offenbar existenziellen - grundsätzlichen Divergenzen, die sich bis 1990 zurückverfolgen lassen?
3. Die ideologischen Positionen im Spiegel der Programmdebatte
Bereits unter dem unmittelbaren Eindruck des Endes der kommunistischen Staaten in Osteuropa waren in der PDS konträre Auffassungen erkennbar. Während die “Reform”- Ideologen den “Realsozialismus” historisch als “System” in Frage stellen, später von einer “stalinistisch geprägten Tradition” (13) in der DDR sprachen und die Wurzeln seines Scheiterns schon 1917 angelegt sahen, entsprach für “orthodoxe” Kräfte die Gesellschafts- und Staatsform der DDR durchaus sozialistischen Idealen. Deshalb deuteten “Orthodoxe” die Position der “Reformer” - von ihrer Warte aus folgerichtig - als “Totalabsage” an die DDR. Abweichend vom Parteiprogramm von 1993, lautete die Kritik, verwendeten die “Reformer” den “Begriff des Stalinismus für die gesamte Geschichte der DDR”. (14) Diese sei aber auch als Staat Teil der sozialistischen Tradition gewesen - ein, wenngleich fehlgeschlagener “Versuch”, Sozialismus zu verwirklichen.
Die Kommunistische Plattform bezeichnete in diesem Zusammenhang die DDR als “frühsozialistische” Gesellschaft, ein Begriff, den bereits Lenin historisch-dialektisch auf eine bestimmte gesellschaftliche Entwicklungsstufe angewandt hatte. Vom “entwickelten” Sozialismus der DDR-Ideologen ist immerhin nicht mehr die Rede. Warum der SED-Staat in seinem Anspruch gescheitert sei, als “antikapitalistische Gegengesellschaft [...] der Menschheit den Weg aus der Klassengesellschaft aufzuzeigen”, (15) und damit nie über das Stadium des “Frühsozialismus” hinausgekommen ist, hat für die “Orthodoxen” aber ganz andere Gründe als für die “Reformer”. Stellten diese systemimmanente Ursachen wie fehlende “Demokratie” und “Rechtsstaatlichkeit” fest, machten jene äußere und innere Feinde der sozialistischen Idee aus: Gescheitert seien die sozialistischen Staaten Osteuropas vor allem am “militärischen Druck seitens des Weltimperialismus”, daneben an der hauptsächlich ökonomischen Überlegenheit des Kapitalismus - wobei keine Rede ist von einer möglichen politischen Überlegenheit - und intern am “Subjektivismus” und “schwerwiegenden Irrtümern”. (16) Schwerwiegende Irrtümer? Damit meint die Kommunistische Plattform die “stalinistische Entartung der sozialistischen Idee”, (17) die sie wiederum nicht als systeminhärent erachtet, sondern der Herrschaftspraxis bestimmter, gleichsam vom Kurs abgewichener Personen zuschreibt: Nicht der Kommunismus “ist gescheitert, sondern eine antimarxistische Version, die auch als ,Stalinismus’ bezeichnet wird, und die zum Wegbereiter des Opportunismus der Gruppe um Gorbatschow geworden war.” (18) Die “Perestroika” als historische Konsequenz des Stalinismus! (19) Zugespitzt: Hätte es Stalin nicht gegeben, dann auch keinen Gorbatschow. Der eine hat die Sache entartet, was es dem zweiten ermöglichte, sie zu beseitigen! Beide stehen in der Reihe der Verräter.
Entsprechend ihren Deutungen der Vergangenheit zogen die ideologischen Lager der PDS unterschiedliche Schlüsse für eine Sozialismus-Konzeption in Gegenwart und Zukunft. Die “Orthodoxen” begriffen Sozialismus konsequent als Staats- und Gesellschaftsform und warfen den “Reformern” vor, eine solche Charakterisierung revidieren zu wollen: “Diese Zielstellung einer grundlegend anderen Gesellschaft ist [...] im geltenden Parteiprogramm enthalten und wird mit den Thesen [der “Reformer” in der Programmkommission] aufgegeben.” (20) In der Debatte über ein neues Grundsatzprogramm sei es aber gerade notwendig, “gemeinsam an der Herausarbeitung der Grundcharakteristika einer neuen Gesellschaft zu arbeiten und auch die Wege zu ihr näher zu benennen.” (21) In der Tat fehlten in den ideologischen Entwürfen der “Reformer” präzise Aussagen zur Zielbestimmung des Sozialismus. Stark hervorgehoben wurde demgegenüber der Bewegungscharakter sozialistischer Politik. Kern ihrer strategisch ausgerichteten Sozialismusvorstellungen war ein Konzept zur Transformation der Gesellschaft von unten her. Im vorstaatlichen Raum, also im Bereich der “Zivilgesellschaft” sollten emanzipatorische, soziale Bewegungen zu einer “Gegenmacht” (22) zusammengeführt werden, die sich gegen die kapitalistische “Profitdominanz” richtet, dabei aber auch Institutionen und Werte des demokratischen Verfassungsstaates ins Visier nimmt und strategischen Dispositionen unterwirft. (23) Demokratien wie die Bundesrepublik bezeichneten die “Reformer” als “moderne Gesellschaften”, (24) die sich - ganz im Gegensatz zum Staatssozialismus - durch Freiräume für die Entfaltung solcher “emanzipatorischer Potentiale” auszeichneten. So biete die pluralistische Demokratie “trotz ihrer Dienlichkeit als Herrschaftsmechanismus eine Chance für Gegenmächte”. (25)
Nachgerade das “Moderne-Konzept” der “Reformer” - dessen demokratietheoretische Bewertung hier nicht Thema ist - nahmen die “Orthodoxen” unter scharfen Beschuß. Sie sahen darin - völlig zu Recht - die Aufgabe des kategorialen Antagonismus zwischen sozialistischen und kapitalistischen Gesellschaften. (26) Genau das hatten die “Reformer” auch intendiert. Zwar leugneten die “Orthodoxen” die Existenz der “Errungenschaften” des Kapitalismus nicht. Diese seien aber ebenso wie die “barbarischen Züge” Teil eines Systems, das man nur als ganzes bekämpfen könne: “Die Konzeption der Moderne setzt [...] voraus, daß man diese Vorzüge, diese ökonomischen, politischen und juristischen Institutionen von ihrer kapitalistischen Grundlage trennen und gegen sie in Marsch setzen kann. Wir halten diese Trennung in ihrer Abstraktion für illusionär.” (27) Aus “orthodoxer” Sicht ist also “Kapitalismus” umfassende Qualität, für die “Reformer” nur ein - wenn auch das momentan dominierende - Teilcharakteristikum.
Im Zuge der Auseinandersetzungen trieb ein Thema an die Oberfläche, bei dem es sich im Grunde um einen Nebenkriegsschauplatz handelt: die Frage einer Regierungsbeteiligung der PDS in Bund und Ländern. Mit Nachdruck wandten sich die “Orthodoxen” gegen die Position der “Reformer”, gesellschaftliche Opposition und Mitregieren seien prinzipiell vereinbar. Sie forderten “eindeutige Kriterien” zur politischen “Kontrolle” der Abgeordneten. (28) Die Lautstärke, in der die Alarmglocken schrillten, stand in einem eigentümlichen Gegensatz zu der Tatsache, daß der Punkt Regierungsbeteiligung in den Papieren der “Reformer” eine untergeordnete Rolle spielte. Vorreiter waren auch nicht die “Reformer”-Ideologen in der Parteizentrale, sondern Landespolitiker wie Helmut Holter oder (früher) Roland Claus. Sicherlich vermochten auch “Reformer” die Sorge der “Orthodoxen” ein Stück weit zu teilen, eine PDS an der Regierung laufe Gefahr, zur Unkenntlichkeit in den “bürgerlichen Parlamentarismus” integriert und am Ende politisch überflüssig zu werden. (29) Denn es war ja gerade ihre Intention, für ein neues, aussagekräftigeres und realistischeres Programm zu werben, damit die Partei auch an der Regierung überleben kann. Dies aber wiederum nahmen “Orthodoxe” als weiteres Indiz für einen fortschreitenden Anpassungskurs der Parteiführung wahr. Das Hin und Her um die Regierungsbeteiligung war nicht der Dreh- und Angelpunkt der Programmdebatte; das Thema ließ sich aber trefflich gegenüber der Basis instrumentalisieren. Hier zeigte sich in aller Deutlichkeit das affektive Moment, das bei den “Orthodoxen”, fast schon reflexhaft, immer mitspielte: die grundlegende Ablehnung der Gesellschaft der Bundesrepublik.
4. Die Programmdebatte als Glaubenskrieg
Die Streitenden spielten in der Programmdebatte unterschiedliche Rollen und zogen - damit zusammenhängend - mit zwei Hauptargumenten zu Felde. Die “Reformer” waren der Motor. Sie drängten auf ein neues Programm, weil sie es als überlebensnotwendig für die Partei erachteten, “links von der Sozialdemokratie” (30) konturiert solche Positionen zu beziehen, die die PDS in den Stand der Politikfähigkeit setzen sollten. Die “Orthodoxen” nahmen dagegen die Rolle des Bremsers ein. Ihre Einlassungen waren immer Reaktionen auf Vorstöße der “Reformer”. Sie sahen keinen Handlungsbedarf und stellten von sich aus keine Entwürfe für ein neues Programm vor. Das bestehende verteidigten sie als tragfähigen “Minimalkonsens”. (31) Den Vorlagen der “Reformer” wurde zugleich attestiert, sich vom Sozialismus verabschiedet zu haben. Hauptargument der “Orthodoxen” war die Sorge vor einem radikalen “Richtungswechsel” und vor einer Anpassung der PDS an die “herrschenden Verhältnisse” des Systems der Bundesrepublik. (32)
Nicht zu Unrecht sahen beide Seiten die Auseinandersetzung als existenziell an. Deren Brisanz zeigte sich nicht zuletzt in der Heftigkeit, in der gestritten wurde. “Reformer” wie “Orthodoxe” beklagten Denunziationen von Seiten des Gegners, Bruch von Absprachen und die Mißachtung von Parteitagsbeschlüssen. (33) Auch inhaltlich kann man von einer Debatte im eigentlichem Sinn nicht sprechen, eher von Positionierungen der jeweiligen Lager. Personell umfaßte die Debatte meist nur wenige Exponenten, die in internen Papieren ihre Stellungnahmen abgaben. Außerhalb der PDS konnte der Streit nur deshalb wahrgenommen werden, weil die Beteiligten ihn mit tatkräftiger Unterstützung der Zeitungen Neues Deutschland (“Reformer”) und Junge Welt (“Orthodoxe”) austrugen. Das Interesse der Basis an einer aktiven Teilnahme schien indes nicht allzu groß zu sein, was Rückschlüsse auf den - kaum vorhandenen - Wunsch zuläßt, sich ein neues Programm zu geben.
Eine breite Programmdebatte kam im Grunde nur einmal kurzzeitg zustande, und zwar zur Jahreswende 1999/2000. Die Programmkommission hatte sich nach mehrmonatiger Arbeit nicht verständigen können. Die “Reformer”-Mehrheit legte ihre umstrittenen Thesen (34) vor, die “Orthodoxen” in dem Gremium reagierten mit einem sogenannten “Minderheitenvotum”. (35) In der Diskussion trat ein tiefer Dissens in Grundsatzfragen zutage. Angesichts zahlreicher äußerst negativer Reaktionen aus der Basis auf den “Reformer”-Entwurf keimte die Angst vor einer Spaltung der Partei und Austritten in größerem Stil. “Reform”-Ideologe Michael Brie schlug deshalb vor, das Vorhaben fallenzulassen und sich auf die Abfassung eines kurzfristigen Aktionsprogramms zu beschränken. (36) Der Parteitag in Münster stand bevor, auf dem der Vorstand eigentlich die Weichen in Richtung eines neuen Grundsatzprogramms stellen wollte. In dem Leitantrag rückte das Führungsgremium jetzt aber vorsichtshalber von diesem Plan ab und schlug vor, das Grundsatzprogramm von 1993 lediglich zu überarbeiten. Sozialismus-Vorstellungen sollten nur noch Gegenstand der Debatte sein, sofern sie “für die Ausprägung des PDS-Profils als sozialistische Partei [...] notwendig” (37) seien.
Auf dem für die “Reformer” desaströsen Münsteraner Parteitag selbst beschloß die PDS, das Parteiprogramm nicht mehr neu zu fassen, sondern lediglich zu überarbeiten, (38) wobei Aussagen aus dem alten Programm - “Umwälzung der kapitalistischen Produktions- und Lebensweise” und der Vorrang des außerparlamentarischen Kampfes - die Leitlinien vorgeben sollten. Dies war ein Rückzug der “Reformer” - zumindest im Vergleich zum Thesenpapier der Programmkommission vom November 1999: In ihm war vom außerparlamentarischen Kampf nicht, von der Formierung einer “Gegenmacht” gegen den Staat nurmehr indirekt die Rede. An die Stelle der antikapitalistisch orientierten Forderungen des Programms von 1993 waren in den “Thesen” ausführliche Passagen über die “zivilisatorischen Errungenschaften der Moderne” getreten, die strategisch für eine sozialistische Politik genutzt werden sollten.
In Münster erlitt die PDS-Führung ihr Karthago. (39) Zum ersten Mal schmetterte ein Parteitag einen Vorstands-Antrag mit großer Mehrheit ab. Es ging darum, ob die PDS gegebenenfalls einen Beschluß des Weltsicherheitsrates für einen UN-Kampfeinsatz mitträgt. Während sich der Vorstand dafür aussprach, war am Ende der von zahlreichen Mitgliedern formulierte Gegenantrag erfolgreich, der militärische UN-Einsätze grundsätzlich ablehnte. (40) Erstaunlich ist weniger der Vorgang an sich, sondern seine Instrumentalisierung durch die ideologischen Fraktionen. Die “Orthodoxen” hatten im Vorfeld pazifistische Töne angeschlagen - blanker Zynismus angesichts ihrer Haltung zur wahrlich nicht pazifistischen DDR. Im nachhinein feierten sie das Votum folgerichtig als ihren Erfolg. (41) In Wahrheit haben nicht “die” Pazifisten in der PDS gesiegt, sondern die Mehrheit derjenigen, die, mit tatkräfitger Unterstützung der “Orthodoxen”, den Vorstands-Entwurf als weiteren Schritt der Anbiederung an ein als feindlich empfundenes System interpretierten.
Daß es um Wesentlicheres ging als das “bloße” Für und Wider bezüglich der UN-Kampfeinsätze, hatten auch die “Reformer” erkannt. In unmittelbarer Reaktion auf das Abstimmungsdebakel gelobten sie: “In der weiteren programmatischen Debatte wird der Vorstand [...] mit größerer Sensibilität das Gesicht der eigenen Mitgliedschaft zuwenden, die die PDS als sozialistische Partei will.” (42)Die Bemühungen im Vorfeld des schnell anberaumten Cottbuser Parteitages können als Versuch der Parteiführung gelten, zu retten, was zu retten war. Als Konzession auf die erneut aufgebrochenen ideologischen Gegensätze tischte die Grundsatzkommission, in der die “Orthodoxen” ebenfalls in der Minderheit sind, die Parole vom “Doppelcharakter der PDS” auf. Die Partei wirke zugleich als “systemkritische, demokratische Opposition und als gestaltende Reformkraft” (43) In den Worten der damaligen Parteichefin in spe, Zimmer: “Widerstand und Ministeramt”. Nicht zu akzeptieren vermochten es die “Orthodoxen” allerdings, daß die Grundsatzkommission in der Zurückdrängung der “Kapitalinteressen” und Stärkung der “Sozialinteressen” Weg und Ziel sozialistischer Politik in eins setzte. (44) Auf dem Parteitag selbst ließen die Delegierten den Antrag “Den Politikwechsel nachholen!” (45) passieren, der zwar für 2002 den Wiedereinzug der PDS in den Bundestag als Ziel vorgab, sich aber nicht zu möglichen Regierungsbeteiligungen äußerte. Vielmehr wurde der systemoppositionelle Charakter der Partei und ihre antikapitalistische Grundhaltung festgeschrieben. Michael Benjamin, der inzwischen verstorbene Exponent der Kommunistischen Plattform, wertete dies als Konzession der “Reformer” an die innerparteiliche Stimmung. (46)
“Reformer”-Repräsentant Wolfgang Gehrcke resümierte die Bemühungen der Parteiführung, die Basis nicht vor den Kopf zu stoßen, äußerst kritisch: Es sei nicht das Dilemma, daß die Arbeit der Programmkommission zu konträren Ergebnissen geführt habe, “sondern der Versuch, strittige Fragen im Vorwege durch Kompromisse abzufedern [...].” (47) Dadurch habe sich die Intention der Debatte in ihr Gegenteil verkehrt, weil das politische Profil der PDS erst recht “ausgewaschen” werde. Man könnte das auch in die Worte fassen: Zur Aussagelosigkeit führte das Bemühen, das gar nicht Verhandelbare zu verhandeln, das gar nicht Kompromißfähige in Kompromisse zu gießen. Das ist mit eine Erklärung dafür, warum sich die “Orthodoxen” mit unverbindlichen Programm-Formeln abfanden und nicht auf die Druchsetzung eines Profils nach ihrem Gusto beharrten.
Nach dem Cottbuser Parteitag aber deutete sich in Person der neuen PDS-Chefin Zimmer ein Wandel im strategischen Vorgehen in Sachen “neues Parteiprogramm” an. Sie setzte offenbar auf eine Art Überrumpelungstaktik. Im Dezember 2000 noch hatte der Vorstand entschieden, zunächst keinen neuen Programmentwurf zu veröffentlichen. An seiner Stelle sollten “Grundlinien” erarbeitet werden, als Basis einer weiteren Diskussion bis zum Dresdener Parteitag im Herbst 2001. (48) Dort sollten die Delegierten zunächst einmal über das weitere Vorgehen bei der Entwicklung eines neuen Programms abstimmen. Stattdessen aber warteten die “Reformer” überraschend mit einem - inhaltlich beachtenswerten - kompletten Entwurf auf, den Zimmer nur wenige Tage nach den “Grundlinien” (49) der Presse vorstellte.
Die Führung hat damit die Partei ein Stück weit vor vollendete Tatsachen gestellt - wie zuvor schon mit einer Erklärung zum 55. Jahrestag der SED-Gründung. Der Zusammenschluß von KPD und SPD sei “auch mit politischen Täuschungen, Zwängen und Repressionen vollzogen” (50) worden, hieß es da. Die Autorinnen Gabriele Zimmer und Petra Pau hatten - das zeigte die Heftigkeit der Reaktionen - ein Tabu gebrochen, eine Grenze überschritten, die die Überzeugung der breiten, aus der SED stammenden Mitgliedschaft zieht. Die Rede war von “zerstörerischer und selbstzerstörerischer Politik” und einer “weitreichenden Rechtswende”. (51) Im gleichen Atemzug wurde - nicht ganz zu Unrecht - der Vorwurf laut, Zimmer und Pau hätten einer Bedingung der SPD für eine weitergehende Zusammenarbeit mit der PDS Tribut gezollt.(52) Den Autorinnen des mit der “Reformer”-Mehrheit im Vorstand abgestimmten Vorstoßes war sehr wohl bewußt, daß ihre Meinung intern nicht durchsetzbar ist: Ein Parteitagsbeschluß sei dazu nicht vorgesehen, teilten sie mit. (53)
Weitaus mehr Zündstoff birgt der Programmentwurf der “Reformer”, (54) der einen pragmatischen, allein auf die Durchsetzung sozialer Gerechtigkeit und Emanzipation gemünzten Sozialismus-Begriff elaboriert. Die zusammenhanglose Aneinanderreihung vager Sozialismus-Definitionen ist nicht mehr zu finden. Auch die gegen den Staat bzw. “das System” gerichteten früheren Forderungen der “Reformer” nach der aktiven Formierung von “Gegenmächten” und einer - dieses Vorhaben unterstützenden - “Demokratisierung der Demokratie” blieben außen vor. Entsorgt wurde auch der Begriff der “modernen Gesellschaft”. Die Bekenntnisse zu Rechtsstaat, Gewaltenteilung und Parlamentarismus erscheinen jetzt frei von strategischen Motiven. Die Autoren sehen die Offenheit einer demokratisch verfaßten Gesellschaft nicht mehr als die Voraus- setzung einer pseudorevolutionären “Transformation der Gesellschaft”. Die PDS wird als “kapitalismuskritische Opposition und als gesellschaftsgestaltende Kraft” vorgestellt. Gegenpol sind aber allein die “dominanten Profitinteressen” und die “Verwertungslogik” der Wirtschaft, nicht die Institiutionen des demokratischen Verfassungsstaates. In seiner Rücksichtslosigkeit gegenüber den innerparteilichen Attitüden stellt das Papier einen Einschnitt dar, auch im ideologischen Verständnis der “Reformer”. Es kann als Versuch gelten, eine radikale programmatische Wende einzuleiten. Sollte der Entwurf - was nicht zu erwarten ist - Programm der PDS werden, müßte man aus extremismustheoretischer Sicht eine Neueinschätzung der Partei vornehmen.
“Sozialistische Programme, wenn sie diesen Namen verdienen, sind eine Kampfansage an die kapitalistische Gesellschaft.” (55) Dies ist, verdichtet auf einen Satz, die Ausgangsposition der “Orthodoxen” in dem in vielerlei Hinsicht bemerkenswerten Streit um die Programmatik der PDS. Im Kern drehte er sich um das Verhältnis der Partei zur den politischen Verhältnissen der Bundesrepublik: kategorische Verweigerung und Widerstand auf der einen Seite, “ankommen in der Gesellschaft” (Gregor Gysi), um überhaupt Veränderungen bewirken zu können, auf der anderen. Unversöhnlich zeigten sich die Kontrahenten in ihren Deutungen der Frage: “Was war und ist sozialistische Politik?” Jede Seite beanspruchte für sich, “wahre” sozialistische Politik zu vertreten und sprach dies dem Gegner ab. Beide Lager gruben sich tief in ihre ideologischen Stellungen ein. Dies verhinderte, daß Gemeinsamkeiten (oder zumindest Ansätze dazu) auseinanderdividiert und uminterpretiert wurden, anstatt sie zu einem Kompromiß zu nutzen.
Die ideologischen Vorstellungen der “Reformer” waren explizit ein gesellschaftliches Oppositionskonzept, das sich in manchen Facetten mit “orthodox”-marxistischen Auffassungen deckte. Dieser Aspekt wurde in dem Programmstreit allerdings übergangen und von den “Orthodoxen”, durch ihre dogmatisch-marxistische Brille blickend, auch kaum gewürdigt - dahingestellt ob bewußt oder unbewußt. Die “Reformer” traf vielmehr der notorische Vorwurf, das Oppositionsverständnis der PDS aufweichen zu wollen, sei es mit der Weigerung, Sozialismus als dem “Kapitalismus” von Natur aus feindliches gesellschaftliches System zu sehen, sei es in der Interpretation der gegenwärtigen Gesellschaft, sei es in der Frage der Regierungsbeteiligung. Die Position des Gegners wurde als monolithischer Block der eigenen Auffassung gegenübergestellt und entsprechend zurechtinterpretiert. So konnten die “Orthodoxen” mit etwas Geschick selbst Wahlerfolge zu einem Indiz für den Anpassungskurs der Parteiführung an ein feindliches System ummünzen. Das erklärt das Aufbrechen der Konfrontation gerade zu erfolgreichen Zeiten. Die Ideologisierung des Streits vor allem von Seiten der “Orthodoxen” wird es weiterhin verhindern, auf dem Debattenwege zu einem Konsens zu kommen.
Der Programmstreit war auch ein Kampf um Worte, ausgetragen vor dem Publikum der eigenen Mitgliedschaft. Außenstehende mag es verwundern, daß oft einzelne Formulierungen, (“außerparlamentarischer Kampf”, “Gegenmacht”, “Umbau der kapitalistischen Lebensweise”, “moderne Gesellschaft”, “Sozialismus als Ziel”) in der Auseinandersetzung eine wichtige Rolle spielten. Den “Reformern” gelang es immerhin, die “Basis” mit dem Hinzufügen oder Weglassen bestimmter Schlüsselbegriffe zu besänftigen - zu dem Preis, daß die zur Abstimmung anstehenden Papiere doppeldeutig und beliebig interpretierbar wurden. Die Wahl der Worte zeigt die Grenzen auf, die in der PDS nicht ohne weiteres überschritten werden konnten. Innerparteilich nicht durchsetzbar waren Positionen, die, als “sozialdemokratisch” diffamiert, tatsächlich oder vermeintlich den Charakter der PDS als fundamentale Opposition revidierten.
In dem Streit - den jeweils nur ein Häuflein Intellektueller austrug - ging es auch darum, eine weitgehend lethargische Mitgliedschaft für die eigene Position zu gewinnen. Der PDS-Soziologe Michael Chrapa machte für den größten Teil der Parteimitglieder folgende Befindlichkeit aus: “starke Konzentration auf die PDS als ‘politische Heimat’, als das geistig-kulturelle Element, das für viele die einzige aktuelle Legitimation von in der DDR verbrachtem Dasein verkörpert.” (56) Diese Einstellung an der Basis verhilft den “Orthodoxen” zu Einfluß. Sie ermöglicht es ihnen, die Mitgliedschaft zur Abwehr der programmatischen Vorstöße der “Reformer” sozusagen in ideologische Geiselhaft zu nehmen. Mit dem Schreckgespenst der drohenden politischen Selbstaufgabe der PDS ist es den marxistischen Dogmatikern bislang gelungen, an der Basis alle emotionalen Register zu ziehen.
Die Stärke der “Orthodoxen” ist jedoch nur relativ: Als Ganzes sind ihre ideologischen Vorstellungen in der Mitgliedschaft ebensowenig durchzusetzen, wie es die der “Reformer” waren. Einen solchen Versuch hatten die “orthodoxen” Marxisten in der Partei auch nie unternommen. Bislang ist aber noch keines der beiden Lager in letzter Konsequenz das Wagnis eingegangen, die Existenz der PDS aufs Spiel zu setzen. Das gilt auch für die “Orthodoxen”, die ohne die Parteiorganisation zum dogmatischen Debattier- und nostalgischen Trauerklub verkommen würden - weit entfernt von einem schlagkräftigen “Widerstand gegen den Kapitalismus”. Die programmatische Zukunft der PDS wird darin liegen, inwieweit es den “Reformern” gelingt, innerparteiliche Überzeugungsarbeit zu leisten. Sie wird entscheidend davon abhängen, intern die Auffassung zu stärken, daß gerade dogmatische Politikkonzepte und Attitüden der Verweigerung den Untergang der PDS bedeuten. Der neuen Vorsitzenden Zimmer eilte bislang nicht der Ruf voraus, eine eindeutige Anhängerin der “Reformer” zu sein. Vielleicht ist es nicht allzu vermessen, ihr eine gewisse Schwäche unterstellen, die es den Reform-Ideologen Dieter Klein, André und Michael Brie ermöglichte, eine neue programmatische Offensive zu starten. Diese wäre in ihrer Kompromißlosigkeit unter der Ägide Lothar Biskys - der immer auf Ausgleich zwischen den Flügeln bedacht war - nicht möglich gewesen. Der PDS stehen turbulente Zeiten bevor.
Juni 2001
(1) Vgl. Viola Neu, Am Ende der Hoffnung: Die PDS im Westen, Sankt Augustin 2000, S. 3.
(2) Vgl. etwa Gero Neugebauer/Richard Stöss, Die PDS. Geschichte - Organisation - Wähler - Konkurrenten, Opladen 1996, S. 28.
(3) Vgl. Organisation einer programmatischen Debatte in der PDS. Beschluß der 1. Tagung des 6. Parteitages der PDS, in: Disput, 1/1999, S. 36.
(4) Gregor Gysi, Ein Blick zurück, ein Schritt nach vorn, Hamburg 2001, S. 292.
(5) Vgl. Parteivorstand der PDS, Organisation einer programmatischen Debatte in der PDS, in: 6. Parteitag der PDS, 1. Tagung. Antragsheft, Berlin 1998, S. 29 f.
(6) Vgl. Programm der Partei des Demokratischen Sozialismus, in: Dietmar Bartsch (Hrsg.), Partei des Demokratischen Sozialismus, Programm und Statut, Berlin 1997.
(7) Programm der Partei des Demokratischen Sozialismus (Entwurf), in: PDS-Pressedienst vom 5. Juni 1992.
(8) Vgl. Sozialismus ist Weg, Methode, Wertorientierung und Ziel. Beschluß des 4. Parteitages der PDS/1. Tagung, in: Disput, 3-4/1995, S. 26.
(9) Vgl. Programmkommission der PDS, Thesen zur programmatischen Debatte, in: PDS-Pressedienst vom 26. November 1999.
(10) André Brie, Erklärung zur Vorstellung des Programmentwurfs für die PDS, Manuskript, 27. April 2001.
(11) Die programmatische Debatte in der PDS zielorientiert weiterführen. Beschluß der 3. Tagung des 6. Parteitages der PDS, in: Disput, 4/2000, S. 21.
(12) Vgl. Ellen Brombacher/Uwe-Jens Heuer/Winfried Wolf, Stellungnahme zur Weiterführung der Programmdebatte der PDS, Manuskript, 2. Januar 2001. Die drei Autoren dieses Papiers stehen stellvertretend für die Kommunistische Plattform (Brombacher) und das Marxistische Forum (Heuer). Winfried Wolf, ebenfalls Mitglied des Forums, stammt aus trotzkistischen Kreisen der alten Bundesrepublik.
(13) Programmkommission (FN 9).
(14) Michael Benjamin/Uwe-Jens Heuer/Winfried Wolf, Votum zu den Thesen der Programmkommission der PDS, in: PDS-Pressedienst vom 26. November 1999.
(15) Eberhard Czichon/Thomas Hecker/Heinz Marohn, Zur Programmatik von KommunistInnen und Kommunisten in der PDS, in: Kommunistische Plattform der PDS, Warum sind KommunistInnen in der PDS?, Berlin 1994, S. 15.
(16) Kommunistische Plattform, Thesen zum Programm der Partei des Demokratischen Sozialismus, in: PDS-Pressedienst vom 12. Juli 1991.
(17) Thesen für eine Plattform der KommunistInnen in der PDS, in: PDS-Pressedienst vom 23. November 1990.
(18) Czichon/Hecker/Marohn (FN 15), S. 18.
(19) Vgl. hierzu wie allgemein zum Geschichtsbild der “Orthodoxen”: Eberhard Czichon/Heinz Marohn, Das Geschenk. Die DDR im Perestroika-Ausverkauf. Ein Report, Köln 1999.
(20) Benjamin/Heuer/Wolf (FN 14).
(21) Ebd.
(22) Der zentrale Begriff der “Gegenmacht” taucht auch im Grundsatzprogramm von 1993 auf und wird von den “Reformern” elaboriert in dem Buch: Gesellschaftsanalyse und Politische Bildung (Hrsg.), Zur Programmatik der Partei des Demokratischen Sozialismus. Ein Kommentar, Berlin 1997, S. 135-138.
(23) Vgl. dazu ausführlich Jürgen P. Lang, Das Prinzip Gegenmacht. PDS und Parlamentarismus, Sankt Augustin 1998. www.extremismus.com/kaspar2.doc
(24) Zum Moderne-Konzept der “Reformer” vgl. vor allem Dieter Klein, Moderne, Modernisierung und die PDS, Manuskript, 22. März 2000.
(25) Programmkommission (FN 9).
(26) Vgl. Detlef Joseph, Anmerkungen zum “Moderne-Konzept” der “Thesen”, in: Marxistisches Forum, 26-27/1999, S. 24-28.
(27) Benjamin/Heuer/Wolf (FN 14).
(28) Vgl. ebd.; Programmkommission (FN 9).
(29) Vgl. Uwe-Jens Heuer, Bürgerliche repräsentative Demokratie und Grundgesetz im fünfzigsten Jahr der BRD, in: Gerhard Fischer u.a. (Hrsg.), Gegen den Zeitgeist. Zwei deutsche Staaten in der Geschichte, Schkeuditz 1999, S. 416-429; In großer Sorge, in: Neues Deutschland vom 18. Mai 1995; Marxistisches Forum, Unsere Sorgen sind nicht geringer geworden, in: Marxistisches Forum, 10/1996, S. 1-3.
(30) Programmkommission (FN 9).
(31) Benjamin/Heuer/Wolf (FN 14).
(32) Vgl. zur Argumentation der “Orthodoxen” exemplarisch Ekkehard Lieberam, Politikverständnis im Leitantrag zum Cottbuser Parteitag und im PDS-Programm, in: Marxistischer Arbeitskreis bei der Historischen Kommission der PDS (Hrsg.), Sozialistische Programmatik und Marxismus heute, Schkeuditz 2000, S. 141-146; Bundessprecherrat der Kommunistischen Plattform der PDS: Die Aufgaben der Kommunistischen Plattform in der Weiterführung der PDS-Programmdebatte, in: Mitteilungen der Kommunistischen Plattform der PDS, 4/2001, S. 3-13.
(33) Vgl. Detlef Joseph, Der PDS-Parteitag in Münster - Schuldzuweisungen und Tatsachen, Manuskript, 19. April 2000.
(34) Programmkommission (FN 9).
(35) Benjamin/Heuer/Wolf (FN 14).
(36) Vgl. Wilfried Schulz, PDS-Programmdiskussion - eine Frage der Glaubwürdigkeit, in: Deutschland Archiv 33 (2000), S. 178.
(37) Parteivorstand der PDS, Die programmatische Debatte in der PDS ergebnisreich weiterführen. Beschluß vom 31. Januar 2000, in: PDS-Pressedienst vom 4. Februar 2000.
(38) Vgl. Wilfried Schulz, “Für Gabi tun wir alles”. Vom Cottbuser Bundesparteitag und dem Doppelcharakter der PDS, in: Deutschland Archiv 33 (2000), S. 885.
(39) Zu dem Parteitag vgl. Bundesamt für Verfassungsschutz (Hrsg.), “Partei des Demokratischen Sozialismus” (PDS). 3. Tagung des 6. Parteitages in Münster, Köln 2000 (= BfV spezial, 1/2000).
(40) Vgl. Nein zu UN-Militäreinsätzen - Internationale Krisen und Konflikte friedlich lösen. Beschluß der 3. Tagung des 6. Parteitages, in: Disput, 4/2000, S. 32 f.
(41) Vgl. Bundeskonferenz der Kommunistischen Plattform der PDS, Nach Münster: Weiter gute Chancen der PDS, in: Mitteilungen der Kommunistischen Plattform der PDS, 5/2000, S. 1-3.
(42) Parteivorstand der PDS, Mehr Politik in der PDS - mehr Politik für die Gesellschaft, Manuskript, 17. April 2000.
(43) Grundsatzkommission der PDS, Heraus aus den trennenden Gräben, in: PDS-Pressedienst vom 30. Juni 2000. Vgl. auch: dies., Für eine sozialistische Politik! Position vor dem Cottbuser Parteitag, in: ebd.
(44) Vgl. Michael Benjamin, Notizen im Vorfeld des 7. Parteitages, Manuskript, 5. September 2000.
(45) Den Politikwechsel nachholen! Deutschland braucht mehr sozialistische Politik! Die PDS und die Wahlen 2002. Beschluß der 1. Tagung des 7. Parteitages der PDS, in: Disput, 10/2000, S. 44-49.
(46) Vgl. Benjamin (FN 44).
(47) Wolfgang Gehrcke, Das Gegenteil eines Fehlers ist ebenfalls ein Fehler, in: Kalaschnikow, 15/2000, S. 33.
(48) Vgl. Parteivorstand der PDS, Beschluß zur Programmdebatte, in: Beiträge und Informationen zur Programmdebatte, 2/2001, S. 6 f.; Kommunistische Plattform der PDS, Eine Analyse über die bisherigen Debattenergebnisse hat es nie gegeben, Manuskript, 7. April 2001.
(49) Parteivorstand der PDS, Grundlinien der Überarbeitung und Neufassung des Parteiprogramms der PDS, in: PDS-Pressedienst vom 23. März 2001. Vgl. den Gegenentwurf der Orthodoxen: Uwe-Jens Heuer, Zu den “Grundlinien der Überarbeitung und Neufassung des Parteiprogramms der PDS”, in: PDS-Pressedienst vom 30. März 2001.
(50) Gabriele Zimmer/Petra Pau, Vor 55 Jahren: Gewollt und verfolgt. Geschichte läßt sich nicht aufrechnen, in: PDS-Pressedienst vom 20. April 2001.
(51) Vgl. Die Welt vom 7. Mai 2001.
(52) Vgl. Arbeitsgemeinschaft JuristInnen bei der PDS, Zur Beurteilung der Geschichte durch Gabriele Zimmer und Patra Pau, Manuskript, 26. April 2001.
(53) Vgl. PDS-Spitze billigt Entschuldigung für Zwangsvereinigung zur SED, in: dpa vom 6. Mai 2001.
(54) André Brie/Michael Brie/Dieter Klein, Programm der Partei des Demokratischen Sozialismus - Entwurf, in: PDS-Pressedienst vom 27. April 2001. Vgl. auch das Gegenpapier der “Orthodoxen”: Monika Balzer/Ekkehard Lieberam/Dorothée Menzner, Winfried Wolf, Programm der PDS - Entwurf, Manuskript, 7. Mai 2001.
(55) Lieberam (FN 32), S. 141.
(56) Michael Chrapa, Übergangskrise? - PDS am Scheideweg, in: PDS-Pressedienst vom 16. Juni 2000; vgl. auch: ders., Interne Konfliktpotentiale und Modernisierungschancen der PDS: Situation, Anforderungen, Optionen, in: Michael Brie/Rudolf Woderich (Hrsg.), Die PDS im Parteiensystem, Berlin 2000, S. 221-228.
Die Druckfassung ist erschienen in: Uwe Backes, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie 13, Baden-Baden 2001